Am Samstag noch in London und am Sonntag schon wieder in den Alpen. Das geht manchmal doch sehr schnell.
Am Mittwoch war ich nach Großbritannien geflogen, um einen meiner besten alten Schulfreunde zu besuchen, der in Oxford studiert. Das konnte ich mir natürlich nicht nehmen lassen, mir mal Oxford anzusehen und am Samstag, dem 05.06.2010, auch mal London. Ich hatte einen tollen Urlaub dort und ich kann jedem nur empfehlen, sich mal Oxford anzusehen, wenn man schon mal in GB ist. Am Samstag flog ich wieder zurück nach München.
Noch am selben Abend rief ich Lars an, der das Wochenende komplett in Königsdorf verbrachte. Er erzählte mir Stolz von seinem 400er, das er mit dem Walter an diesem Tag in den Alpen geflogen hatte und schon war ich wieder genug motiviert, um mir keinen Tag Auszeit zum Lernen für das Studium zu nehmen, sondern aufgrund einer sehr guten Wettervorhersage und genügend Flughunger am anderen Morgen nach Königsdorf zu fahren.
Ich stellte mir den Wecker auf 06.00Uhr, doch wie schon einmal zuvor, hatte ich vergessen das Datum vom Wecker meines Handys zu korrigieren, sodass es nicht schellte. Ich hatte mein Handy ausgeschaltet und bei meinem Handy habe ich Weckzeiten in Abhänigkeit der Wochentage eingestellt. Wach wurde ich erst um 07.15 Uhr und stellte mit Entsetzen fest, dass ich verschlafen hatte. In Königsdorf war der SCM an diesem Tag schon ab 5.15 Uhr am schulen, da bei den Hauptstoßzeiten zu Thermikbeginn für die Flugschüler quasi keine Luft mehr zu sehen ist. Nur gut, dass ich am Tag zuvor schon gepackt hatte. Ich machte mich fertig und ab 07.40 Uhr war ich auf dem Weg nach Königsdorf. Dort angekommen half ich erstmal unseren Flugschülern weiter beim Starts schrubben und im Windenbetrieb. Ich glaube 5 oder 6 Flugschüler des SCM waren es, die bis 9.00Uhr allesamt 3 Starts hatten. Eine tolle Leistung. Danach schlug dann für uns streckensegelflugambitionierte Segelflieger in Königsdorf die Stunde.
Richard war es, der sich zuerst die DG schnappte, um einem Gast, der mit einem Gutschein für einen Rundflug kam, das Segelfliegen zu zeigen. Nach gut einer Stunde und 20 min. und ungefähr 100 Streckenflugkilometer waren sie wieder gelandet. In der Zwischenzeit sprach ich wieder mit Hans. Er erzählte mir, dass sie an diesem Tag FAI-Strecken ausgeschrieben hätten. Hans 650km, Mathias 700km und Gerhard H. 750km. Dies machte mir Mut, es heute auch mal wieder in den Alpen zu probieren. Alle 3 schafften an diesem Tag ihre ausgeschriebenen Strecken. Ich wollte zuerst mit dem Lars mit der DG in die Alpen gehen, jedoch äußerte auch Willi Interesse. Lars verzichtete auf einen weiteren Flugtag, da er schon ziemlich angeschlagen von dem Wochenende war. Er hatte immerhin zwei Sunrise Fliegen hinter sich, wobei eins Sunrise bis Sunset war und er auch am Samstag schon 400km geflogen hatte. Er sagte mir auch, dass es für ihn besser sei eine Pause zu machen. Er machte die Erfahrung mit dem wenigen Schlaf, die ich zwei Wochen zuvor schon hatte. Zum Alpenfliegen muss man erholt und top fit sein, denn die Thermik ist um einiges rupiger als im Flachland.
Schließlich einigte wir uns darauf, dass ich mit dem Willi fliegen würde. Ich würde als Backseater fliegen und Willi als verantwortlicher Pilot, da Willi bedenken äußerte, dass er Probleme mit dem Fliegen als Copilot hätte. Ich hingegen hatte letztes Jahr schon einmal 4h hinten in einem Bocian gesessen bei einem Überlandflug im Osten in Wittstock und so tat ich es nun auch heute. Wir wollten beide wieder mal ein wenig die Alpen testen, waren uns jedoch beide einig nicht sehr viel zu riskieren und den Spaß am Alpenfliegen in den Vordergrund zu stellen. Willi hat sogar noch weniger Streckenflugpraxis als ich und dies sollte heute sein längster Streckenflug in den Alpen werden.
Gegen 14.00 Uhr, leider schon sehr spät, hob unser Schleppzug ab. Richard schleppte uns mit der Husky. Ein toller Anblick hinter einem so schönen Flugzeug zu hängen. Wir ließen uns bis zum Blomberg schleppen und am Südwestende fanden wir auch direkt den ersten Bart. Dieser brachte uns auf 1850m, hoch genug um hinter die Bendiktenwand zum Standardeinstieg zu springen. Diesen trafen wir zuverlässig wie immer. Es ging knackig rauf bis auf 2300m. Danach glitten wir weiter zum Vorderriss. Auf dem Weg dahin verloren wir kaum Höhe, sodass wir uns auch hier nicht lang aufhielten und versuchten an den Sojern den Bart zu treffen.
An den Sojern scheiterte es dieses mal, sodass wir außen herum wieder zurück zum Vorderriss flogen. Hier stiegen wir erneut auf 2150m. Wir einigten uns darauf die Sojern nicht noch einmal zu probieren und flogen stattdessen Richtung Osten. Die Wolken sahen hier auch vielversprechender aus. Den nächsten halbwegs brauchbaren Bart fanden wir etwas nördlich von Achenbach. In der Zwischenzeit sagte Willi zu mir, dass “Flugstilkritik jederzeit willkommen sei”, da er selbst auch noch nicht so viel Streckenflug Erfahrung hatte. So erklärte ich ihm, wie man zuverlässig unter den Wolken die Bärte trifft und nannte ihn ein paar Kleinigkeiten, um sein Zentrierstil zu verbessern. Er hatte den Dreh relativ schnell wieder raus, da er dieses Jahr bisher kaum Segelflug gemacht hatte. Der Bart bei Achenbach trug uns auf fast 2500m, sodass wir weiter Richtung jetzt eher Südosten fliegen konnten. Das Ziel lautete wieder Inntal!
Bis zum Inntal waren wir bis auf kleinere Bärte fast nur geglitten, da nichts wirklich brauchbares mehr zu finden war. Im Inntal erwartete ich bessere Bedingungen. Willi sagte nach dem Flug zu mir, dass er bis zu diesem Flug vorher noch nie das Inntal an Innsbruck vorbei komplett lang geflogen war. Wir wendeten etwas östlich der Brandenberger Ache, um sofort darauf weiter ins Inntal zu fliegen. Hier gab es auch sofort mehr Luftverkehr und wir mussten unsere Luftraumbeobachtung, die in den Alpen ohnehin das wichtigste überhaupt ist, noch einmal verschärfen.
Den nächsten guten Bart fanden wir nun auch, wie erwartet, im Inntal am Ebner Joch. Dieser trug uns einigermaßen kräftig bis auf 2600m, sodass es mit einer besseren und sichereren Höhe weitergehen konnte. Nachdem wir mit zwei eher mäßigen Bärten unserer Höhe auf 2600m versucht hatten zu halten, fanden wir den nächsten guten Bart an der Rumer Spitze. Dieser trug uns kräftig auf 2750m. Dies war bis zu diesem Zeitpunkt auch die größte Flughöhe, die wir an diesem Tag erreicht hatten. Selbst der Gipfel der Zugspitze, die wir ab hier sehen konnten, war zu einem geringem Teil in den Wolken. Wir glitten, die Kontrollzone von Innsbruck immer im Hinterkopf, das Inntal weiter entlang zur Hochwand. Hier fanden wir etwas südlich an einem kleineren Vorberg, einer Alm wie Willi sie nannte, einen weiteren kräftigen Bart.
An dieser Alm etwas südlich von Hochplattig, das zur Hochwand gehört, kamen wir auf 2950m, unsere für diesen Flug größte Höhe. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt über 600m plus auf den Gleitpfad Richtung Königsdorf und es war für uns an der Zeit erneut Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung hätte seine Folgen gehabt, wie auch immer sie ausgesehen hätten. Wir wägten zwischen drei taktischen Möglichkeiten ab. Nachdem wir bis hierher einen so erfolgreichen Flug gehabt hatten, kam für uns die Option von hier nach Hause zu gleiten quasi nicht in Betracht. Ich plädierte dafür, das Inntal noch einmal zurück zu fliegen und so unseren Schnitt und unsere Strecke noch einmal zu vergrößeren. Willi wollte lieber weiter Richtung Süd-südost einer Wolkenstraße folgen und danach zurück Richtung Königsdorf zu fliegen da die Zeit mit fast 17.00 Uhr auch schon sehr fortgeschritten war. Also einigten wir uns auf Willis Vorschlag.
Wir flogen also Richtung Engadin einer Wolkenstraße entlang, doch keine dieser Wolken zog mehr. Die Wolkenstraße bestand aus dicken schwarzen Wolken, die schon sehr breit liefen. Ich wusste aus dem Flachland noch, das man solche Wolken mit Vorsicht genießen muss. Wenn sie ziehen, dann meistens nur direkt unter der Basis. Wir versuchten noch am Simmerring Anschluss zu finden, doch unsere Höhe schrumpfte immer weiter. Also kehrten wir um.
Das Ziel lautete jetzt eindeutig: Zurück nach Königsdorf. An der Wanig fanden wir wieder keinen Bart und auch an der Sonnen- und der Wetterspitze nicht. Jetzt bereits deutlich 200m unter Gleitpfad und deutlich unter der Gipfelhöhe der Zugspitze glitten wir am Hang des Wettersteingebirges entlang. Nichts trug. Es reichte nur, um die Höhe zu halten. Auch bei unseren letzten Hoffnungen, der Friederalm und dem Wank, trafen wir keine Bärte mehr. So blieb uns etwas nördlich von Garmisch Partenkirchen nichts anderes übrig als den Turbo zu benutzen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits 500m unter Gleitpfad mit Sicherheitshöhe 200m nach Königsdorf. Wir überbrückten mit diesem gute 20km, bevor wir an der Wankhütte erneut Anschluss fanden. Also Turbo wieder eingepackt und mit erhobenem Haupt die letzten 20km im Segelflug mit ausgeschaltetem E-Vario bei absoluter Stille zurück nach Königsdorf. Ein tolles fliegerisches Erlebnis. Diese Ruhe. Nur das leise Rauschen vom Wind beim gemütlichen Heimgleiten nach Königsdorf bei diesem für uns beide sehr lehrreichen und erfahrungsreichhaltigem Flug. Am Ende standen 223km und über 4h in Willis Flugbuch.
Der nächste erforderliche Schritt wird für mich ein Flug mit einem Einsitzer auf so einer Strecke wie an diesem Tag zu sein. Nur so kann ich weiter trainieren, um das Alpenfliegen richtig zu beherrschen. Jedoch werde ich auch jede Chance nutzen, um mir wieder einen erfahreneren Alpenflieger zu nehmen und mit diesem mal die Route ins Engadin oder die Ostroute am Wilden Kaiser vorbei für mich zu entdecken.
Alles in Allem war dies wieder ein großartiges Wochenende für mich und für die Uni hätte ich bei diesem heißen Tag eh nichts getan, doch viel Zeit bleibt nicht mehr bis zu den Klausuren, sodass ich wahrscheinlich in 2 Wochen erst mal meine fliegerischen Aktivitäten für vorraussichtlich 1 bis 2 Monate zurückschrauben muss, da ich auch gute 5 Wochen nach den Klausuren bei mir zu Hause im “Flachland” verbringen werde. Im Juli wird es also kaum Berichte geben. Ab Mitte August werde ich aber wieder voll da bei sein.








