Seit meinem letzten Flug waren nun schon wieder 2 Wochen vergangen. Der Flughunger riesengroß.
Vor einer Woche noch, wollte ich eigentlich zusammen mit dem Rüdiger mal in Unterwössen fliegen gehen. Dies fiel wegen zu schlechten Wetters leider aus und so nutzte ich die 4 Tage Fronleichnam dazu, mal etwas für die Uni zu tun oder auch mal das Hofbräuhaus mit einigen Freunden von Innen anzuschauen.
An diesem Pfingstwochenende begann beim SCM das Pfingstlager. Dieses Fluglager, welches unter dem Motto “Von 0 auf 100″ steht, dient in erster Linie dazu, Flugschüler kräftig in der Ausbildung voranzubringen und neue Vereinsmitglieder zu gewinnen und zu halten. Am Samstag hatte Raphael vom SCM Windenfahrerdienst, sodass Lars und ich uns am Samstag auf der Winde einwiesen ließen, wobei ich ja noch den Windenfahrerschein erwerben muss. In Königsdorf wird meiner Elektrowinde geschleppt, das heißt man hat keinen Gashebel, wie man es von einer Eigenbau oder anderen Winden gewohnt ist, sondern einen Schieber, der einfach versetzt wird, wie bei einem Mischpult von einer Musikanlage. 
Lars schleppte bis zum Sonnenuntergang, wobei ich auch bis zum Ende den Flugbetrieb unterstützte. In den Abendstunden waren es nur noch die Akaflieger, die unermüdlich weiter schulten und flogen. Aus Dank luden sie uns im Anschluss Abends zum Essen ein. Wir aßen in einer sehr geselligen Runde und lernten sehr nette neue Leute kennen, da man sonst im Flugbetrieb in Königsdorf eher selten dazu kommt, neue Flieger kennen zu lernen. So flogen wir also am Samstag nicht, das Wetter war eh nicht sonderlich gut. Anderes versprach der Sonntag.
Der Wetterbericht für Sonntag verprach gute Thermik mit Arbeitshöhen bis 2000m. Auch in den Alpen gut fliegbar. So kam es auch. Lars hatte am Abend zuvor den Gerhard um eine Alpeneinweisung gebeten, da er bis jetzt zwar schon die LS8 geflogen hatte, aber noch nicht tiefer in den Alpen als bis zum Blomberg war. Für mich war es nun an der Zeit meine ersten Erfahrungen mit der LS8 zu sammeln. Ich bekam als Auftrag drei Ziellandungen mit der LS8, bevor ich mit dieser Überlandfliegen dürfe, wobei ich mich also immer im Gleitbereich zum Platz befinden sollte. Dafür hatte ich Verständnis. Also holte ich mir Morgens die LS8 von der Hallendecke und montierte die 18m Ohren. Ich machte die Ausrüstung fertig, checkte sie und schon stand ich mit ihr in der Schlange zum Windenstart.
Im Windenstart flog sie ohne Probleme. Danach sah ich Korbinian in der LS4-b südlich von Königsdorf 200m über mir kurbeln und auch ich fand dort einen Bart. Dieser war zwar eng, doch trug er mich zuverlässich auf 1800m. Es dauerte nicht lange, bis ich Korbinian ausgekurbelt hatte. Die LS8 kurbelt fast von allein. Wenn man sie ausgetrimmt hat und den Bart zentriert hat, kurbelt sie fast ohne Steuerkorrekturen im Zentrum weiter und sie steigt wie ein Ballon. An der Basis angekommen, entschied sich Korbinian dazu Richtung Blomberg zu fliegen. Ich wollte lieber meinen Weg alleine gehen, also flog ich Richtung Norden. Die LS8 mit 18m gleitet endlos. Auch mit 160km/h beim Vorfliegen sinkt sie fast nicht. Einfach gleiten, gleiten, gleiten. Ich flog bis Starnberg vor, kurbelte dort noch, doch wenig später flog ich wieder zurück Richtung Königsdorf, da die Bärte dort schlechter wurden und auch die Basis sank. Ich hatte mich unnötigerweise viel zu warm angezogen, sodass ich viel schwitzte. Ich hatte bis hierher auch wenig getrunken und mein Kreislauf machte mir Sorgen, also landete ich wieder, um dann besser vorbereitet erneut zu starten. Zum Überlandfliegen fehlten mir ja eh noch 3 Ziellandungen und ich war zusversichtlich wenig später erneut Anschluss zu bekommen. In diesem Flugzeug fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Noch viel wohler als in der LS4 oder der ASW24 und das will schon etwas heißen!
In der Zwischenzeit war auch Peter beim SCM angekommen. Ich half ihm die Ka6 von der Decke zu holen und so schoben wir danach zusammen unsere Flieger zum Windenstart. Nach 45min warten auf den Windenstart, schaffte Peter den Anschluss an die Thermik. Ich wurde gnadenlos mit 3 – 4 m/s Sinken runtergespült. Da hilft auch eine Gleitzahl von 1:47 nicht sehr viel. Dies wurde meine Ziellandung Nummer zwei.
Ich sagte mir: “Alle guten Dinge sind drei”, also ging ich erneut an die Winde. 45min bis 1h später erwischte ich aus der Winde raus den Bart des Tages. Nur 30s nach Auslinken standen bei mir auf dem Zander Segelflugrechner 4,5m/s integriert. Diesmal hatte sich die Spüle umgekehrt und ich war nach kurzer Zeit auf 2100m. Mit dieser Höhe flog ich Richtung Südwesten. Bei Benediktbeuern testete ich mit der LS8 die Voralpenthermik an. Wir hatten an diesem Tag starken Nordwind und die Hangaufwinde, die aus diesem resultierten, waren hier schon zu spüren.
Aus meinen bisherigen Alpenflügen war mir die Südseite der Benediktenwand bekannt. Also warum nicht die Nordseite mal bei diesem starken Nordwind ausprobieren? Ich war immer noch ca. 500m über Gleitpfad nach Königsdorf. Ich flog also die Nordseite der Benediktenwand in Kammhöhe entlang. Einige Wanderer winkten mir von den Berghütten zu. Ich winkte mit den Flächen zurück, doch mehr als Wanderer gab es für mich an der Benediktenwand nicht zu finden. Ich konnte meine Höhe lediglich um 50m ausbauen. Also flog ich wieder zurück Richtung Königsdorf.
Im Flachland angekommen, fand ich sofort wieder kräfitgere Bärte und einige andere Gleitschirmflieger und Segelflieger. Eine Mosquito flog Richtung Westen. Ich flog ihr hinterher und konnte nur staunen, wie überlegen die LS8 gleitete. Sie flog jedoch weiter Richtung Westen als ich konnte, um den Gleitbereich zum Platz nicht zu verlassen. Außerdem musste ich Wasser lassen, da ich nun sehr viel getrunken hatte, um nicht erneut Probleme mit dem Kreislauf zu bekommen.
Wenig später war ich wieder über Benediktbeuern. Die Aufwinde hier waren in der Zwischenzeit auch schwächer geworden, doch es reichte, um erneut die Benediktenwand entlang zu gleiten. Dieses mal konnte ich meine Höhe jeodch nur noch halten, also glitt ich schleunigst wieder Richtung Königsdorf. Mit der LS8 hatte ich dort angekommen immer noch 1200m. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der weiteren Abendplanung, glitt ich nur noch die Höhe ab und landete wieder in Königsdorf. Meine 3. Ziellandung und diese bei kräftigem Seitenwind. Probleme gab es mit der LS8 dabei jedoch nicht. Ein traumhaftes Flugzeug und genial zu fliegen. Lediglich den Logger hatte ich nicht eingeschaltet, da mir bis zum Versuch diesen auszulesen nicht bewusst war, dass dieser separat eingeschaltet werden musste.
In der Zwischenzeit waren Lars und Gerhard gelandet. Sie hatten nach 4,5h und über 200km den Flug in den Alpen beendet. Sie waren bis zum Anfang vom Engadin geflogen und über Umwege wieder zurück gekommen. Am Abend sprach ich noch mit Hans über meinen Flug und so lehrte er mich, dass es im Inneren der Alpen viel wichtiger sei, auf Sonnenbeschienene Seiten der Berge zu achten als auf die Luv- oder Leeseite, da man sich meistens eh oberhalb der Grate befindet und die Bärte auch auf der Leeseite von Sonnenbeschienenen Hängen zu finden sind. Jedoch sollte man nie zu tief über den Grat fliegen, da man sonst doch ins Lee fallen kann. Lars fragte am Abend den Walter, ob er mit ihm am nächsten Tag in die Alpen gehen wolle, und sie einigten sich dazu. Heute war auch Rüdiger angekommen und hatte mit seiner DG500 geschult. Nach unserem schönem Flug vor zwei Wochen einigten wir uns dazu, am nächsten Tag mal mit der DG500 in Alpen zu gehen.
Thomas regte an, am Montag schon um 7 die Halle auszuräumen, sodass die Flugschüler noch jede Menge Starts machen könnten, bevor sie wieder von den Streckenfliegerstaus betroffen wären. Wir willigten ein, da dies unseren Planungen auch entgegen kam. Lars baute die Winde auf und ich machte den Startleiter. Bis 10 Uhr hatten wir über 20 Segelflugstarts durchgezogen und jeder Flugschüler war 2-3 mal in der Luft gewesen. Im Anschluss daran, machten sie erstmal Pause. Lars und ich beschlossen kurzfristig noch mit der DG1000 Windenerfahrung zu sammeln, also machte ich noch einen Windenstart mit dieser und Lars zwei, bevor die Thermik begann. Es saß jeweils der Andere von uns als Copilot hinten drin.
Gegen 12.00 Uhr hatte die Thermik endlich richtig begonnen, sodass es für uns losgehen konnte. Lars hatte Pech, da Walter die Absprache zum Fliegen nicht eingehalten hatte, aber er machte als Ersatz einen F-Schlepp mit Reiner mit der DG, ebenfalls neuer Fluglehrer und wies ihn auf die DG ein. Ich startete im selben Zeitraum mit Rüdiger mit der DG500. Gerade als wir starten wollten, landeten Hans und ein weiterer erfahrener Strckenflieger wieder und wir wurden das erste mal stutzig. Was sollte das für uns heißen? Wir ließen uns trotzdem auf die Südseite der Benediktenwand schleppen. Diese ließ uns nicht im Stich und wir fanden dort einen Bart der uns bei fast blauem Himmel auf über 2000m trug. Die Inversion im Flachland war gut zu erkennen. Ich wollte ihm den Standard Westabflug zeigen, also flogen wir weiter zum Vorderriss. Dieser ließ uns im Stich und nach einiger Zeit suchen mussten wir Richtung Sylvensteinspeicher abdrehen, um ggf. eine Möglichkeit zur Landung zu haben. Dort schafften wir es aber, uns mühselig wieder hochzukämpfen. Mit einem weiteren Bart an der Südostflanke der Benediktewand, schafften wir es wieder ins Flachland zurück. Bis hier hin hatten wir sehr viel Zeit verloren und es war ein nervenaufreibender Flug gewesen.
Wir flogen noch einige Zeit im Flachland, doch machte das Streckenfliegen an diesem Tag bei Blauthermik keine Freude und bei unser Beider Erfahungsstand ließen wir lieber die Finger von den Alpen an diesem Tag. Bei mir ging es auch wieder mit meinem Kreislauf bergab. Das frühe Aufstehen, die anstrengen Tage zuvor und die brennende Hitze zollten Ihren Tribut. Wir brachen den Flug ab und landeten nach gut 2h wieder in Königsdorf. Auch einige andere waren wieder vom Himmel gefallen. Eines stand fest: Dies war kein leichter Tag zum Alpenfliegen, aber ein guter zum Erfahrungen zu sammeln und einiges dazu zu lernen. Wir Beide haben daraus eine Menge gelernt. Einen Loggerschrieb gibt es von diesem Flug leider auch nicht, da das Flarm einen Schaden hatte und nicht korrekt aufgezeichnet hat.
Wenige Profis schafften es an diesem Tag sogar, durch das Engadin auf die Südseite der Alpen zu springen und über 800km zu fliegen. Dies zeigt mir deutlich, wieviel es für mich noch zu lernen gibt.
Viele Grüße,
Rene