Dieser Tag begann wie ein ganz normaler Sonntag. Um 06.30Uhr ging der Wecker. Ich ging duschen, während Lars die Brötchen holte. Rüdiger hatte mit uns in Königsdorf übernachtet. Wir frühstückten gemütlich um 07.30Uhr. Danach räumten wir so langsam die Flieger aus der Halle. Wir planten, was wir an diesem Tag machen wollten. Lars wollte an jenem Tag seine 3 Ziellandungen mit der LS8-18 machen, doch der Tag sollte nur für eine reichen. Ich wollte noch ein wenig Flugpraxis mit der DG1000 bekommen, d.h. ich wollte ein paar Windenstarts mit dieser machen.
Ich machte mich nach dem Frühstück daran die DG1000 einzuräumen und alle Vorbereitungen für einen frühen Flugbetriebsbeginn zu treffen. In Königsdorf schafft man häufig nicht mehr als 3 Windenstarts am Tag mit einem Flugzeug. Einfach auf Grund dieser Vielzahl an Schulungsflugzeugen und anderen Seglern. Deshalb fangen wir sehr früh mit den Windenstarts an.
Gerade als ich dachte, dass dies ein Tag, wie am Wochenende zuvor werden sollte, an dem ich lediglich 3 Starts an der Winde mit der LS4 bekam, schlugen die ersten erfahrenen Alpenflieger des SCM auf. Zuerst kam der Raphael und danach der Gerhard. Diese Beiden baten mich darum, ihnen den Vortritt bei der DG zu lassen, da sie Überprüfungsstarts mit Fluglehrer brauchten, um wieder selbst fliegen zu können. Ich gewährte. Daraufhin fragte mich der Raphael, nachdem ich ihm erzählte, was ich ursprünglich vor hatte, ob ich nicht Lust hätte, dass ich mit Ihm in die Alpen fliege. Ich muss zugeben, dass ich kurz zögerte. Sollte dies wirklich wahr sein und ich wieder einen Alpenflug bekommen? Ich willigte ein. Raphael lieh mir das Geld für den F-Schlepp und wir machten uns daran, die Vorbereitungen für einen Alpenflug zu treffen.
Wichtige Dinge, die man auf jeden Fall dabei haben sollte: Trinksack, Karten, Pinkelutensilien, Essen und eine Digitalkamera
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Gegen 12.00Uhr hob unser Schleppzug ab. Wieder ging es an den Blomberg. Doch dieser zog erneut nicht. Damit rechneten wir aber beide, nachdem ich Raphael von meinen Erfahrungen am Tag zuvor berichtet hatte. Also wieder mit dem Turbo an die “Bene”-Wand. Dies wurde wie gestern unser Einstieg in die Gebirgsthermik. Erneut zeigte mir der Raphael die ganzen Außenlandefelder. Wir wählten heute den Abflug über West. Auf diesem Weg wurden wir begleitet von einer weiteren DG1000 und einem Discus, die uns nach der Bene-Wand folgten. Immer wieder zeigte mir Raphael alternative Routen und Bärte auf, die man auch in niedrigeren Höhen bekommen würde. Er lies mir immer wieder die Wahl, den Flugweg zu wählen. Doch meine Entscheidung war klar. Ich wollte ins Inntal! Dies erschien mir in vielen Flügen, die ich mir von Königsdorf angschaut hatte, ein Schlüssel zu schnellen Schnittgeschwindigkeiten und somit großen Strecken zu sein. So auch heute!
Zunächst zeigt er mir aber den Weg Richtung Westen und das Karwendelgebirge. Wir flogen direkt südlich an der Zugspitze vorbei, wahrscheinlich nur 50m unterhallb dieser. Dies war ein imposanter Anblick. Im Anschluss zeigte Raphael mir die Punkte, an denen wir mit der Kontrollzone von Innsbruck aufpassen mussten. Diese Zone ist echt ein Hindernis, aber sie ist umfliegbar, ohne dass man große Kurskorrekturen und Einschnitte in Flugoptimierung in Kauf nehmen muss. Die ATIS von Innsbruck sollte man aber doch abhören bzgl. der Aktivität des Segelflugsgebiets Innsbruck.
Wir wendeten unmittelbar vor dem Hexenkopf in fast 3300m MSL. Ab hier waren wir auf unserer Rennstrecke. Der Flug wurde richtig schnell. In der nächsten Stunde flogen wir über 120km. Wir flogen bis zur nächsten Wende kurz vor Kufstein quasi nur geradeaus. Mit leichten Kuskorrekturen wegen dem Segelfluggebiet bei Innsbruck glitten wir dahin, direkt von Wolke zu Wolke, von Grat zu Grat wie auf einer unsichtbaren Schnur. Kurz vor Jenbach mussten wir dann nochmal 200m Höhe abbauen, dies war uns im Gleitflug an der Grenze zur Manövergeschwindigkeit bei dieser böigen Thermik nicht gelungen. Wir gingen auf unter 2850m und glitten dann weiter bis Wörgl.
Dort zeigte mir Raphel wieder meine Alternativen auf. Entweder zurück nach Königsdorf, das Inntal zurück Richtung Seefeld oder rüber zum Wilden Kaiser. In der Zwischenzeit waren leider schon dicke Gewitterwolken nördlich vom Karwendelgebirge aufgezogen, so dass wir uns sorgen um eine Heimkehr machen mussten. Wir entschieden uns dazu nochmal das Inntal zurück nach Seefeld zu fliegen. Einerseits, um unsere Schnittgeschwindigkeit zu erhöhen. Andererseits, da wir dort dann mehr Höhe haben könnten, um nach Hause zu gleiten. Es ging also zurück. Diesmal mit Rückenwind, aber leider nicht ganz so problemlos wie wir gehofft hatten. Wir mussten einige schlechte Bärte liegen lassen, bis wir auf den nächsten brauchbaren bei der Hochnissl stießen. Von dort aus ging es nun wieder schneller weiter.
In Seefeld mit noch fast 3000m angekommen, entschieden wir uns dazu direkt zurück nach Königsdorf zu fliegen. Die Basis sank wieder spürbar ab und wir mussten durch einige Schauern durchfliegen. Wir befanden uns jedoch ständig min. 200m über Gleitpfad. Die DG1000 bietet da echt jede Menge Reserven und sie gleitet verdammt gut. Im flachen war das Wetter dann wieder ruhig und es standen sogar einige gute Bärte um Königsdorf. Mit Blick auf die geflogenen Kilometer fragte mich Raphael, was mein längster Flug sei und ich antwortete spontan dieser hier, wobei ich noch keine Ahnung hatte, wieviel Kilometer wir wirklich geflogen waren. Raphael wies mich daraufhin, dass uns nur 40km für das 400er fehlen würden und packte mich beim Ehrgeiz. Sollte bei meinem ersten richtigen Alpenflug gleich ein 400er rauskommen? Wir dehnten also unsere Strecke Richtung München aus, die Schauerwolken immer im Nacken. Zunächst fanden wir noch brauchbare Bärte, doch weiter Richtung München erledigte sich dies ganz schnell. Dabei tauchte auch plötzlich der Lars mit der LS8-18 neben uns auf, folgte uns dann jedoch nicht weiter Richtung München. Mit Blick auf unsere Höhenreserven mussten wir leider umkehren. Zu früh, um die 400km voll zu bekommen. 4h 48min nach unserem Start und 390km weiter landeten wir wieder in Königsdorf und hatten den Flieger gerade in der Halle, bevor uns die ersten Regentropfen erreichten.
Trotz des Pechs, das wir gegen Ende hatten, wurde dies mein längster, größter und schnellster Segelflug bisher. Dabei war dies mein erster richtiger Alpenstreckenflug. Dies macht Mut auf mehr.
Die Profis flogen heute ähnlich wie wir zu erst Richtung Westen, wendeten und flogen dann das Inntal entlang. Sie machten den Sprung zum Wilden Kaiser, um weiter Richtung Osten zu fliegen. Dies sollte sich für sie auszahlen. Es schafften danach jedoch nicht alle wegen des Regens und der Gewitter in Königsdorf zu landen.
Die Saison hat gerade angefangen und dieser Flug erstere größere Alpenstreckenflug motiviert. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, dem SCM beizutreten. Ich bereue keine Sekunde. Ich danke dem Raphael dafür, dass er mich so gut gelehrt hat.
Fazit: Es gibt von Königsdorf aus im Prinzip 3 Standardabflüge, um vernünftig in die Alpen zu kommen. Diese muss man unbedingt beherrschen und man muss wissen bei welchen Höhen man zu welchen Punkten gleiten kann. Dies ist Grundstein dafür, dass man ins Inntal kommt, oder ins Engadin oder weiter Richtung Osten am Wilden Kaiser vorbei. Dies sind die Schlüssel zu großen Alpenstreckenflügen. Das Fliegen auf diesen “Rennstrecken” geht bei guten Wetterlagen wie von selbst. Außerdem muss man Täler kennen, die man meiden bzw. mit Vorsicht genießen sollte, da sie unlandbar sind. Eine gute Flugplanung und gute örtliche Kenntnisse sind dabei sehr von Vorteil. Ich kann jedem nur empfehlen, sich erfahrene Piloten an die Hand zu nehmen und mit diesen die Standardrouten auf der Karte nachzugehen oder sogar im Doppelsitzer nach zu fliegen, bevor man schließlich alleine auf die großen Alpenstrecken geht. Ich bin begeistert darüber, mit welcher Freude die Piloten beim SCM ihre Erfahrungen weitergeben. Aber ich habe noch eine Menge zu lernen.


Schöne Sache so ein Blog und spannennd geschrieben, gratuliere!
Von: Richard am 9. Mai 2010
um 14:19