An dieser Stelle muss ich mich zuerst bei einigen Leuten bedanken.
Dazu gehören zu aller erst Mirco M. und Simon H., ohne die es mir nie möglich gewesen wäre meine Eltern davon zu überzeugen, dass ich mit der Segelflugausbildung beginnen durfte. Auch muss ich an dieser Stelle den Organisatoren der Projekttage damals 2004 an meiner alten Schule danken, bei denen ich schon einige Gastflüge beim FSV Emmerich-Rees machen konnte. Dies war schließlich der Auslöser der Diskussion, die letztlich dazu führte, dass ich mit der Ausbildung begann.
Auch danke ich meinen Eltern, denn ohne sie wäre es mir nie möglich geworden, neben der Schule so viel fliegen zu können. Sie finanzierten meine fliegerische Karriere in den Anfangsjahren nahezu vollständig. Sie haben einen langen Traum von mir in Erfüllung gehen lassen, der immer noch der stärkste Antrieb für alle Leistungen, die ich erbringen muss, ist.
Die Projekttage, bei denen ich in Emmerich zum ersten mal flog, fanden im April 2004 unmittelbar vor den Osterferien statt. Im Anschluss daran machte ich einen Schnupperkurs beim LSV Goch (EDLG) zusammen mit meinem Vater und Bruder. Danach war der Entschluss gefasst: Wir würden alle mit der Segelflugausbildung beginnen! Bis zu den Sommerferien erledigten wir alle Formalitäten für den Beginn der Sgelflugausbildung, wozu z.B. auch die Überprüfung durch einen Fliegerarzt gehört.
In den Sommerferien 2004 begannen wir nun mit der Schulung. Geschult wird beim LSV Goch auf einer ASK 13. Auf meinen ersten Alleinflug mit der 13 sollte ich jedoch noch bis zum Frühjahr 2005 warten, da ich durch einige andere Hobbys, die ich in dieser Zeit noch hatte, zu sehr zeitlich gebunden war, um regelmäßig jedes Wochenende fliegen zu können. Nach dem ersten Alleinflug stieg ich schon früh auf die Ka 8 um, auf der ich mittlerweile über 150 Starts habe.
Das erste Highlight wartete dann im Sommer 2005 auf mich. Wir fuhren mit dem LSV Goch für 3 Wochen ins Fliegerlager nach Coburg Steinrücken (EDQY). Zu dieser Zeit flog ich schon den vereinseigenen Astir. Es war ein tolles Erlebnis für mich, dort das erste mal in einer einigermaßen hügeligen Landschaft zu fliegen. Schon dort faszinierte mich die Entstehung von Hangaufwinden und in niedrigeren Höhen waren dort erste effekte davon zu spüren. Mir gelang dort jedoch nur ein längerer Thermikflug. Trotzdem hatte ich dort eine schöne Zeit, an die ich mich gerne zurück erinnere.
Danach gibt des erst mal nichts weiter zu erzählen. Die fliegerische Karriere lief mehr oder weniger gemächlich weiter. Einzig mein jüngerer Bruder Marcel nahm am Jugendvergleichsfliegen in Borken-Hoxefeld teil. Dabei unterstütze ich ihn natürlich als Helfer. Ich kann jedem nur empfehlen, so etwas in seiner Jugend mal mit zu machen. Man erlebt dort eine Menge und lernt einen ganzen Haufen neuer Leute kennen, die alle die gleichen Interssen haben.
Im Sommerlager 2006 des LSV Goch’s war ich wieder dabei. In diesem Sommer gab es für mich einen der erlebnisreichsten Flüge, die ich je von Goch aus gemacht hatte. Es gab an einem Tag und zwar dem 19.07.2006 Blauthermik mit ansteigender Basis und gegen Abend aufkommender Cumulus Bewölkung. Die Basis stieg an besagtem Tag am Niederrhein von Anfangs 1800m bis auf 3000m an! Dies ist für den Niederrhein mit einem 6er im Lotto gleichzusetzen. Da hatten sogar die Fluglehrer keine Probleme mehr damit, wenn man sich 10km entfernt von der Platzrunde in einer Ka8 befand. Ein berauschendes Erlebnis. Am 24.07.2006 machte ich meinen ersten Überlandflug. Ich flog mit einem Fluglehrer 140km Strecke als meteorologische Überlandflugeinweisung mit einer ASK21 und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das ist es! Immer am Platz Thermik zu fliegen ist zwar auch schön, aber die Erlebnisse und Eindrücke auf einem Überlandflug sind tausendmal besser. Immer die Fragen: “Was jetzt?”, “Wohin als nächstes?”, “Kommen wir noch nach Hause?”, “Nehmen wir den Acker?”
. Dies ist die wahre Fliegerei. Das ist der Sport, der den Segelflug erst so richtig spannend macht. Das Messen mit den Kräften der Natur. Der Versuch, den bestmöglichen Flug an den jeweiligen Wetterlagen herauszuholen und der Vergleich mit anderen Piloten, was die so geschafft haben. Beim Streckenfliegen gibt es immer wieder tolle Augenblicke, die unbeschreiblich sind. Dies ist die Passion. Die Krönung davon ist, wie ich jetzt feststellen durfte, der Segelflug im Gebirge, doch dazu lest meine Flugberichte. 2006 machte ich auch noch eine navigatorische Überlandflugeinweisung mit einem Motorsegler, die jedoch kein besonderes Ereignis für mich darstellte. Große Fortschritte machte ich danach im Jahr 2007.
In diesem Jahr kam ich gerade in die 13. Klasse. Ich sagte mir: “Flugschein jetzt, oder nie!” Ich entschied mich für “jetzt”. Über den Winter machte ich mein BZF II. Daraufhin durfte ich beim LSV Goch die ASW15-B fliegen. Auch ein sehr tolles Flugzeug. Zu meinem Bedauern wurde diese jedoch zum Anfang des Jahres zu Gunsten von Neubeschaffungen verkauft. Im Sommer 2007 fuhr der LSV Goch wieder ins Fliegerlager. Zum ersten mal ohne mich. Ich nutzte die Zeit, um für die Theorie für den Flugschein zu lernen. Drei Wochen lang jeden Tag pauken, aber nicht umsonst. Als der LSV Goch aus dem Fliegerlager in Leibertingen an der Schwäbischen Alb mit traurigen Gesichtern wieder kam, da sie 3 Wochen fast durchgängig Regen hatten, hatte ich gerade meine Theorie bestanden und hatte folglich auch keinen Grund die Entscheidung zu bereuen, nicht mit ins Fliegerlager gefahren zu sein.
Am 21.07.2007 machte ich erneut eine Überlandflugeinweisung mit einer ASK 21. Nicht ganz die Strecke wie beim letzten Flug. Diesmal wendeten wir bei Wesel und Borken-Hoxfeld. Dieser bereitete mich auf den darauf folgenden Tag vor. Am nächsten Tag lag die basis bei ca. 1200m, eigentlich wollte ich an jenem Tag gar nicht meine 50km fliegen, da ich hätte früh gehen müssen, doch die Fluglehrer und das Wetter überzeugten mich, es doch zu riskieren. Sie überließen mit freie Hand bei meiner Flugplanung. Als möglich Ziele kamen in Betracht: Dinslaken-Schwarze Heide oder Borken-Hoxfeld, wo wir schon am Vortag gewendet hatten. Ich schaute in den Himmel und auf den Windsack: Rückenwind Richtung Borken und sogar eine Wolkenstraße! Mein Entschluss war gefasst und schon ging es los: Barograph in die Ka8, Karte rein und mit der Winde nach oben. Direkt der erste Bart trug mich auf 1200m und brachte mich an die Wolkenstraße. Von da an musste ich nur noch gerade ausfliegen bis auf 3 oder 4 Kreise. Ich erreichte Borken-Hoxfeld nach 45min. in 1000m Höhe. Insgesamt dauerte der Flug mit der Ka8 für ca. 55km nur 52min.! Jetzt fehlte mir nur noch die praktische Prüfung.
Davor wartete auf mich jedoch noch ein weiteres Highlight: In diesem Jahr ging es für mich als Teilnehmer zusammen mit meinem Bruder, der ebenfalls kurzfristig teilnehmen durfte nach Oeventrop ins Sauerland zum Jugendvergleichsfliegen! Mein Bruder war in dem Jahr unter den Top 10. Ich landete auch noch im oberen Mittelfeld. Ein voller Erfolg! Und wieder haben wir dort eine Menge Spaß gehabt. Jugendverlgeichsfliegen sind immer gut!
Am 15.09.2007 hatte ich letztlich meine praktische Prüfung für den Flugschein. Natürlich bestand ich diese. Nachdem mir dann der Flugschein zugeschickt wurde, habe ich erst mal mit meinen ganzen Freunden geflogen, die bis zu diesem Tag kein Verständnis für meine Passion und für die Zeit, die ich dafür auf wendete hatten. Danach aber schon! Für mich war da aber leider die Saison beendet. Vorabiklausuren sorgten dafür, dass mir erst mal keine Zeit blieb, meine neu gewonnen Freiheit noch auszokosten. Erst im April, nach den Abiprüfungen flog ich wieder richtig. In dieser zeit machte ich auch meine ersten Starts mit dem zu der Zeit hochwertigsten Flieger des LSV Goch, einer LS4-b. Von der ASW15 auf die LS4 war das eine ganz schöne Leistungsteigerung. Jedoch landete ich gleich bei meinem ersten Überlandflug mit der LS4-b am 6.7.2008 außen bei Altforst in den Niederlanden. Bis dahin hatte ich 123km geflogen bei durchwachsenem Wetter. Im Juli 2008 erwarb ich auch eine F-Schlepp Berechtigung.
Im August 2008 ging ich zum Bund als Offizieranwärter bei der Luftwaffe. Durch die Ausbildung dort, die 700km fern von zu Hause in Fürstenfledbruck statt fand, war es mir erst mal nicht mehr möglich mein Hobby weiter aus zu üben. Ich flog insgesamt 11 Monate nicht. Dies war eine schmerzhafte Erfahrung. Immer wieder ging der Blick an schönen Tagen gen Himmel und ich träumte vom fliegen, doch ich musste mir immer wieder sagen: “Geduld Rene! Bau dein Leben in Ruhe auf! Erst ein eigenes Auto und dann hast du an der Uni genügend Zeit und Mittel, um voll durch zu starten!” Ich hielt durch, aber ich hoffe, dass ich nie wieder so lange nicht fliegen kann. Nach der OSLw machte ich ein heimatnahes Grundpraktikum für mein Studium. In dieser Zeit fing ich wieder an zu fliegen. Da flog ich auch zum ersten Mal, die vom LSV Goch neu beschaffte ASW24. Ich hätte nie gedacht, dass es zwischen modernen Segelflugzeugen, also der LS4 und der ASW24 noch so gewaltige Unterschiede in den Flugeigenschaften geben würde. Die LS4 ist schon toll, aber die ASW24 ist ein Traum!
Im August ging es für mich wieder zwei Wochen mit dem LSV Goch ins Fliegerlager nach Wittstock-Berlinchen. Der schönste Urlaub, den ich je hatte. An einem Tag flog ich mit einem Flugschüler hinten in der ASK21 140km Strecke und an einem anderen Tag 170km mit der ASW24. Ich konnte die Strecken leider nicht größer machen, da ich keine Segelflugkarte von Brandenburg besaß und der Kartenausschnitt, den ich bekam, sich nur auf einen kleinen Teil beschränkte. Trotzdem tolle Streckenflüge. Auch erlebte ich zum ersten Mal deutlich eine Luftmassengrenze. Bei einem Flug mit der Ka8 stellte ich auf einmal Basishöhenunterschiede von zwei benachbarten Wolken von über 200m fest und dies auf einer ganzen Kette von Wolken. Drei mal könnt ihr Raten, was ich da mit der Ka8 ausprobiert habe. Ich sage nur: Ich konnte meinen Schatten deutlich sehen. An diese Zeit dort werde ich mich auch immer wieder gerne erinnern! Das wären sehr nette Leute dort und alle genauso vom Segelflug begeistert, wie ich.
Im September 2009 ging es für mich schließlich an die Universität der Bundeswehr in München und hiermit endet mein bisheriger fliegerischer Lebenslauf. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen der Berichte darüber, was ich nun beim Segelflug in Alpen erleben werden bzw. für Erfahrungen gemacht habe. Genau mein 300. Segelflugstart war mein erster beim SCM in Königsdorf!
Viele Grüße!