Verfasst von: hoehenfluege | 29. Juni 2010

Der Prüfungsphase entflohen…

Es war der 26. Juni 2010. Kein leichter Tag…

Ein längerer Bericht zu einem kurzen Flug…

Es war in den Alpen bzw. für das Engadin gute bis sehr gute Thermik vorhergesagt. Wir hatten einigermaßen starken Wind aus Nord bis Nordost. Die Basis sollte in den Alpen bis auf 3000m ansteigen.

Lars und ich wollten nun ein letztes Mal vor der Prüfungszeit fliegen gehen. Irgendwie muss man ja abschalten vom ganzen Lernen und wir beide können es nirgendwo besser, als beim Segelfliegen. Der Sonntag sollte deutlich der bessere Tag werden und so war es auch, jedoch konnten wir es beide nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, noch einen Tag nicht zu lernen. Unser Studium ist nun mal die finanzielle Grundlage, um die Fliegerei ausleben zu können.

Lars und ich waren uns einig, an diesem Tag in die Alpen zu fliegen und den Einstieg ins Engadin zu versuchen. Wir bereiten uns zügig vor und schon gegen 11.30Uhr hoben wir mit der DG1000 ab. Es ging bis auf 1600m zum Blomberg. Beide waren wir uns jedoch auch einig, bei unserem Erfahrungsstand nicht sehr viel riskieren zu wollen. Wichtiger war für uns die Erfahrung und der Spaß am Alpenflug.

Wir klinkten aus, bedankten uns beim Schlepper und schon ging die Suche nach dem ersten Bart los. Der Blomberg zog nicht so zuverlässig, wie wir es trotz Nordwindkomponente erwartet hatten. Es waren aber einige Cumulanten in greifbarer Nähe und wir entschieden uns für einen weiter südlich auf dem Weg Richtung Benediktenwand. Dies war die richtige Entscheidung. Mit ca. 2m/s integriert ging es bis auf 2000m.

Danach glitten wir über der Benediktenwand hinweg, wobei wir auf der Südseite, also Leeseitig einen kräftigen Bart fanden. Wir drehten zwei Kreise mit 3-4 m/s integriert und waren schon wieder an der Basis von ca. 2000m. An dieser Stelle übernahm Lars kurz das Ruder.

Er flog nicht den direkten Weg Richtung Vorderriss, sondern Richtung Osten zum Sylvensteinspeicher. Er vermutete unter dunklen Wolken, die dort standen einen Bart. Ich ließ ihn gewähren, obwohl wir beide skeptisch waren, da dies eine Wolke war, die sehr breitgelaufen war und ich mich unweigerlich an die Erfahrung aus dem letzten Flug mit Willi erinnern musste, die uns den Gleitflug nach Hause kostete.

Auch diesmal gab mir mein Gefühl recht. Hier war nichts zu holen. Vermutlich wurde jegliche Ablösung hier durch die fehlende Sonneneinstrahlung verhindert.

Relativ zügig glitten wir nun zum Vorderriss. Hier standen nur zwei kleinere Cumulanten, die noch genügend Sonneneinstrahlung auf den Hang zuließen. Hier bekamen wir wieder Anschluss und kurbelten uns wieder rauf auf 2000m.  Jetzt trafen wir aber die schlechteste Entscheidung des Tages.

Mit dieser Höhe glitten wir zu den Sojern und versuchten den Standardabflug, anstatt den Umweg weiter Richtung Westen zu nehmen und hinten herum zu fliegen, wie es die meisten anderen machten. Wir kamen vielleicht 50m über Grathöhe an den Sojern an, fanden jedoch nicht mehr als Nullschieber. Wir sahen hier aber weiter am Grat entlang einen guten Cumulanten stehen. Dieser war es auch mit Sicherheit und nur war es für uns nicht mehr möglich an diesen heran zu kommen.  Diese Erkenntnis macht man jedoch, wie immer, erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Die Grat von den Sojern steigt weiter Richtung Westen immer weiter an. Wir konnten jedoch nicht mit dem Grat steigen und mussten unter Grathöhe weiter zur Wolke fliegen und genau hierin bestand das Problem, wie ich im Nachhinein feststellen musste. So hatte Raphael mir damals schon bei einer nahezu identischen Wetterlage nur mit deutlich höherer Basis erklärt, dass man bei Nordostwindkomponente in den Voralpen sehr häufig Leebärte vorfindet, jedoch kann man diese nur erwischen, wenn man über dem Grat auf der Leeseite ist. Dies waren wir nicht mehr und so war es für uns unmöglich an diesen Cumulanten zu kommen.

Stattdessen war wir nun mitten im Lee und verloren unaufhaltbar an Höhe. Erst kurz vor Mittenwald am Ende des Tals, das wir bei den Sojern entlang flogen, fanden wir wieder Hangaufwinde. Wir versuchten hier noch zu achtern und wieder Höhe zu tanken, doch mehr als Höhe halten, saß hier nicht drin. Also warfen wir den Turbo raus, um nicht zu viel zu riskieren und sicher weiterkommen zu können. Bis zu den Sojern war dies von uns ein Lehrbuch Westabflug, jedoch zeigte uns der Fehler mit der Grathöhe genauso schnell, dass wir immer noch Anfänger sind.

Westlich von Mittenwald fanden wir wieder Anschluss durch die ASH25 der Akaflieg, die uns einen guten Bart markierte. Wir flogen darauf zum östlichen Ende der Nordflanke des Wettersteingebirges. Auch hier fanden wir wieder einen guten Bart. Hier trafen wir die nächste naive Entscheidung, die aber keineswegs falsch war, sondern vielmer Glück als Verstand. Wir flogen zu einem Cumulanten am Beginn des Hufeisens vom Wettersteingebirges. Hier kurbelten wir ein wenig und schon ein wenig zentrierend stellten wir fest, dass im Inneren dieses Hufeisens Hangaufwinde anzutreffen waren. Hier stiegen wir hangachternd in wenigen Minuten um weitere 400m auf 2500m.

Normalerweise, so habe ich es mir später sagen lassen, fliegt man dort nicht rein, da man bei möglicher Leewirkung dort schnell wieder raus muss und es danach sehr schwer hat, wieder Anschluss zu bekommen, bzw. ein gutes Außenlandfeld noch zu erreichen. Wir hatten Glück und eine neue Erfahrung gewonnen, da es für uns beide das erste Mal war, so hangachternd an Höhe zu gewinnen.

Danach flogen wir wieder aus dem Hufeisen raus, auf dem gleichen Weg, auf dem wir hinein geflogen waren. Weiter Richtung Inntal sah das Wetter nicht so gut aus, wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte. Die Basis stieg auch soweit wir sehen konnten nicht weiter an. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon eine wirklich schlechte Entscheidung getroffen, aber auch schon eine Menge gelernt. Ebenfalls waren wir 500m über Gleitpfad nach Königsdorf, also entschieden wir uns dazu, den Flug hier abzubrechen und zurück zu gleiten.

Der sichere Weg nach Hause ist immer eine gute Entscheidung, auch wenn es weiter Richtung Engadin, wie wir später erfuhren, besser geworden wäre. Jedoch war dies auf keinen Fall ein leichter Tag für einen Westabflug, wie man auch aus dem Bericht von Matthias zur Bundesliga entnehmen kann.

Wenig später in Königsdorf gelandet, machte Lars noch einige Starts mit den Korbinian, unserem jüngsten und neustem Scheininhaber. Ich hingegen opferte den Rest Tages, um mit meiner Windenfahrerausbildung weiter vorwärts zu kommen.

Ich freue mich jetzt schon auf die vorlesungsfreie Zeit! Dann wird noch viel mehr geflogen!

Verfasst von: hoehenfluege | 7. Juni 2010

Mit dem Willi ins Inntal (06.Juni 2010)

Am Samstag noch in London und am Sonntag schon wieder in den Alpen. Das geht manchmal doch sehr schnell.

Kirche in Oxford

Kirche in Oxford

Am Mittwoch war ich nach Großbritannien geflogen, um einen meiner besten alten Schulfreunde zu besuchen, der in Oxford studiert. Das konnte ich mir natürlich nicht nehmen lassen, mir mal Oxford anzusehen und am Samstag, dem 05.06.2010, auch mal London. Ich hatte einen tollen Urlaub dort und ich kann jedem nur empfehlen, sich mal Oxford anzusehen, wenn man schon mal in GB ist. Am Samstag flog ich wieder zurück nach München.

Hinter der Husky

Hinter der Husky

Noch am selben Abend rief ich Lars an, der das Wochenende komplett in Königsdorf verbrachte. Er erzählte mir Stolz von seinem 400er, das er mit dem Walter an diesem Tag in den Alpen geflogen hatte und schon war ich wieder genug motiviert, um mir keinen Tag Auszeit zum Lernen für das Studium zu nehmen, sondern aufgrund einer sehr guten Wettervorhersage und genügend Flughunger am anderen Morgen nach Königsdorf zu fahren.

Ich stellte mir den Wecker auf 06.00Uhr, doch wie schon einmal zuvor, hatte ich vergessen das Datum vom Wecker meines Handys zu korrigieren, sodass es nicht schellte. Ich hatte mein Handy ausgeschaltet und bei meinem Handy habe ich Weckzeiten in Abhänigkeit der Wochentage eingestellt. Wach wurde ich erst um 07.15 Uhr und stellte mit Entsetzen fest, dass ich verschlafen hatte. In Königsdorf war der SCM an diesem Tag schon ab 5.15 Uhr am schulen, da bei den Hauptstoßzeiten zu Thermikbeginn für die Flugschüler quasi keine Luft mehr zu sehen ist. Nur gut, dass ich am Tag zuvor schon gepackt hatte. Ich machte mich fertig und ab 07.40 Uhr war ich auf dem Weg nach Königsdorf. Dort angekommen half ich erstmal unseren Flugschülern weiter beim Starts schrubben und im Windenbetrieb. Ich glaube 5 oder 6 Flugschüler des SCM waren es, die bis 9.00Uhr allesamt 3 Starts hatten. Eine tolle Leistung. Danach schlug dann für uns streckensegelflugambitionierte Segelflieger in Königsdorf die Stunde.

Blick in die Alpen

Blick in die Alpen

Richard war es, der sich zuerst die DG schnappte, um einem Gast, der mit einem Gutschein für einen Rundflug kam, das Segelfliegen zu zeigen. Nach gut einer Stunde und 20 min. und ungefähr 100 Streckenflugkilometer waren sie wieder gelandet. In der Zwischenzeit sprach ich wieder mit Hans. Er erzählte mir, dass sie an diesem Tag FAI-Strecken ausgeschrieben hätten. Hans 650km, Mathias 700km und Gerhard H. 750km. Dies machte mir Mut, es heute auch mal wieder in den Alpen zu probieren. Alle 3 schafften an diesem Tag ihre ausgeschriebenen Strecken. Ich wollte zuerst mit dem Lars mit der DG in die Alpen gehen, jedoch äußerte auch Willi Interesse. Lars verzichtete auf einen weiteren Flugtag, da er schon ziemlich angeschlagen von dem Wochenende war. Er hatte immerhin zwei Sunrise Fliegen hinter sich, wobei eins Sunrise bis Sunset war und er auch am Samstag schon 400km geflogen hatte. Er sagte mir auch, dass es für ihn besser sei eine Pause zu machen. Er machte die Erfahrung mit dem wenigen Schlaf, die ich zwei Wochen zuvor schon hatte. Zum Alpenfliegen muss man erholt und top fit sein, denn die Thermik ist um einiges rupiger als im Flachland.

Blick auf die Sojern

Blick auf die Sojern

Schließlich einigte wir uns darauf, dass ich mit dem Willi fliegen würde. Ich würde als Backseater fliegen und Willi als verantwortlicher Pilot, da Willi bedenken äußerte, dass er Probleme mit dem Fliegen als Copilot hätte. Ich hingegen hatte letztes Jahr schon einmal 4h hinten in einem Bocian gesessen bei einem Überlandflug im Osten in Wittstock und so tat ich es nun auch heute. Wir wollten beide wieder mal ein wenig die Alpen testen, waren uns jedoch beide einig nicht sehr viel zu riskieren und den Spaß am Alpenfliegen in den Vordergrund zu stellen. Willi hat sogar noch weniger Streckenflugpraxis als ich und dies sollte heute sein längster Streckenflug in den Alpen werden.

Gegen 14.00 Uhr, leider schon sehr spät, hob unser Schleppzug ab. Richard schleppte uns mit der Husky. Ein toller Anblick hinter einem so schönen Flugzeug zu hängen. Wir ließen uns bis zum Blomberg schleppen und am Südwestende fanden wir auch direkt den ersten Bart. Dieser brachte uns auf 1850m, hoch genug um hinter die Bendiktenwand zum Standardeinstieg zu springen. Diesen trafen wir zuverlässig wie immer. Es ging knackig rauf bis auf 2300m. Danach glitten wir weiter zum Vorderriss. Auf dem Weg dahin verloren wir kaum Höhe, sodass wir uns auch hier nicht lang aufhielten und versuchten an den Sojern den Bart zu treffen.

Blick über Innsbruck hinweg Richtung Alpenhauptkamm

Blick über Innsbruck hinweg Richtung Alpenhauptkamm

An den Sojern scheiterte es dieses mal, sodass wir außen herum wieder zurück zum Vorderriss flogen. Hier stiegen wir erneut auf 2150m. Wir einigten uns darauf die Sojern nicht noch einmal zu probieren und flogen stattdessen Richtung Osten. Die Wolken sahen hier auch vielversprechender aus. Den nächsten halbwegs brauchbaren Bart fanden wir etwas nördlich von Achenbach. In der Zwischenzeit sagte Willi zu mir, dass “Flugstilkritik jederzeit willkommen sei”, da er selbst auch noch nicht so viel Streckenflug Erfahrung hatte. So erklärte ich ihm, wie man zuverlässig unter den Wolken die Bärte trifft und nannte ihn ein paar Kleinigkeiten, um sein Zentrierstil zu verbessern. Er hatte den Dreh relativ schnell wieder raus, da er dieses Jahr bisher kaum Segelflug gemacht hatte. Der Bart bei Achenbach trug uns auf fast 2500m, sodass wir weiter Richtung jetzt eher Südosten fliegen konnten. Das Ziel lautete wieder Inntal!

Bis zum Inntal waren wir bis auf kleinere Bärte fast nur geglitten, da nichts wirklich brauchbares mehr zu finden war. Im Inntal erwartete ich bessere Bedingungen. Willi sagte nach dem Flug zu mir, dass er bis zu diesem Flug vorher noch nie das Inntal an Innsbruck vorbei komplett lang geflogen war. Wir wendeten etwas östlich der Brandenberger Ache, um sofort darauf weiter ins Inntal zu fliegen. Hier gab es auch sofort mehr Luftverkehr und wir mussten unsere Luftraumbeobachtung, die in den Alpen ohnehin das wichtigste überhaupt ist, noch einmal verschärfen.

Den nächsten guten Bart fanden wir nun auch, wie erwartet, im Inntal am Ebner Joch. Dieser trug uns einigermaßen kräftig bis auf 2600m, sodass es mit einer besseren und sichereren Höhe weitergehen konnte. Nachdem wir mit zwei eher mäßigen Bärten unserer Höhe auf 2600m versucht hatten zu halten, fanden wir den nächsten guten Bart an der Rumer Spitze. Dieser trug uns kräftig auf 2750m. Dies war bis zu diesem Zeitpunkt auch die größte Flughöhe, die wir an diesem Tag erreicht hatten. Selbst der Gipfel der Zugspitze, die wir ab hier sehen konnten, war zu einem geringem Teil in den Wolken. Wir glitten, die Kontrollzone von Innsbruck immer im Hinterkopf, das Inntal weiter entlang zur Hochwand. Hier fanden wir etwas südlich an einem kleineren Vorberg, einer Alm wie Willi sie nannte, einen weiteren kräftigen Bart.

Blick auf die Brandjochspitzen

Blick auf die Brandjochspitzen

An dieser Alm etwas südlich von Hochplattig, das zur Hochwand gehört, kamen wir auf 2950m, unsere für diesen Flug größte Höhe. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt über 600m plus auf den Gleitpfad Richtung Königsdorf und es war für uns an der Zeit erneut Entscheidungen zu treffen. Jede Entscheidung hätte seine Folgen gehabt, wie auch immer sie ausgesehen hätten. Wir wägten zwischen drei taktischen Möglichkeiten ab. Nachdem wir bis hierher einen so erfolgreichen Flug gehabt hatten, kam für uns die Option von hier nach Hause zu gleiten quasi nicht in Betracht. Ich plädierte dafür, das Inntal noch einmal zurück zu fliegen und so unseren Schnitt und unsere Strecke noch einmal zu vergrößeren. Willi wollte lieber weiter Richtung Süd-südost einer Wolkenstraße folgen und danach zurück Richtung Königsdorf zu fliegen da die Zeit mit fast 17.00 Uhr auch schon sehr fortgeschritten war. Also einigten wir uns auf Willis Vorschlag.

Wir flogen also Richtung Engadin einer Wolkenstraße entlang, doch keine dieser Wolken zog mehr. Die Wolkenstraße bestand aus dicken schwarzen Wolken, die schon sehr breit liefen. Ich wusste aus dem Flachland noch, das man solche Wolken mit Vorsicht genießen muss. Wenn sie ziehen, dann meistens nur direkt unter der Basis. Wir versuchten noch am Simmerring Anschluss zu finden, doch unsere Höhe schrumpfte immer weiter. Also kehrten wir um.

Das Wettersteingebirge mit der Zugspitze

Das Wettersteingebirge mit der Zugspitze

Das Ziel lautete jetzt eindeutig: Zurück nach Königsdorf. An der Wanig fanden wir wieder keinen Bart und auch an der Sonnen- und der Wetterspitze nicht. Jetzt bereits deutlich 200m unter Gleitpfad und deutlich unter der Gipfelhöhe der Zugspitze glitten wir am Hang des Wettersteingebirges entlang. Nichts trug. Es reichte nur, um die Höhe zu halten. Auch bei unseren letzten Hoffnungen, der Friederalm und dem Wank, trafen wir keine Bärte mehr. So blieb uns etwas nördlich von Garmisch Partenkirchen nichts anderes übrig als den Turbo zu benutzen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits 500m unter Gleitpfad mit Sicherheitshöhe 200m nach Königsdorf. Wir überbrückten mit diesem gute 20km, bevor wir an der Wankhütte erneut Anschluss fanden. Also Turbo wieder eingepackt und mit erhobenem Haupt die letzten 20km im Segelflug mit ausgeschaltetem E-Vario bei absoluter Stille zurück nach Königsdorf. Ein tolles fliegerisches Erlebnis. Diese Ruhe. Nur das leise Rauschen vom Wind beim gemütlichen Heimgleiten nach Königsdorf bei diesem für uns beide sehr lehrreichen und erfahrungsreichhaltigem Flug. Am Ende standen 223km und über 4h in Willis Flugbuch.

Der nächste erforderliche Schritt wird für mich ein Flug mit einem Einsitzer auf so einer Strecke wie an diesem Tag zu sein. Nur so kann ich weiter trainieren, um das Alpenfliegen richtig zu beherrschen. Jedoch werde ich auch jede Chance nutzen, um mir wieder einen erfahreneren Alpenflieger zu nehmen und mit diesem mal die Route ins Engadin oder die Ostroute am Wilden Kaiser vorbei für mich zu entdecken.

Auf dem Heimweg

Auf dem Heimweg

Alles in Allem war dies wieder ein großartiges Wochenende für mich und für die Uni hätte ich bei diesem heißen Tag eh nichts getan, doch viel Zeit bleibt nicht mehr bis zu den Klausuren, sodass ich wahrscheinlich in 2 Wochen erst mal meine fliegerischen Aktivitäten für vorraussichtlich 1 bis 2 Monate zurückschrauben muss, da ich auch gute 5 Wochen nach den Klausuren bei mir zu Hause im “Flachland” verbringen werde. Im Juli wird es also kaum Berichte geben. Ab Mitte August werde ich aber wieder voll da bei sein.

Details vom Flug mit Willi

Details vom Flug mit Willi

Verfasst von: hoehenfluege | 25. Mai 2010

Das Pfingstwochenende: Die LS8-18 und eine Lehrstunde

Seit meinem letzten Flug waren nun schon wieder 2 Wochen vergangen. Der Flughunger riesengroß.

Vor einer Woche noch, wollte ich eigentlich zusammen mit dem Rüdiger mal in Unterwössen fliegen gehen. Dies fiel wegen zu schlechten Wetters leider aus und so nutzte ich die 4 Tage Fronleichnam dazu, mal etwas für die Uni zu tun oder auch mal das Hofbräuhaus mit einigen Freunden von Innen anzuschauen.

An diesem Pfingstwochenende begann beim SCM das Pfingstlager. Dieses Fluglager, welches unter dem Motto “Von 0 auf 100″ steht, dient in erster Linie dazu, Flugschüler kräftig in der Ausbildung voranzubringen und neue Vereinsmitglieder zu gewinnen und zu halten. Am Samstag hatte Raphael vom SCM Windenfahrerdienst, sodass Lars und ich uns am Samstag auf der Winde einwiesen ließen, wobei ich ja noch den Windenfahrerschein erwerben muss. In Königsdorf wird meiner Elektrowinde geschleppt, das heißt man hat keinen Gashebel, wie man es von einer Eigenbau oder anderen Winden gewohnt ist, sondern einen Schieber, der einfach versetzt wird, wie bei einem Mischpult von einer Musikanlage.

Lars schleppte bis zum Sonnenuntergang, wobei ich auch bis zum Ende den Flugbetrieb unterstützte. In den Abendstunden waren es nur noch die Akaflieger, die unermüdlich weiter schulten und flogen. Aus Dank luden sie uns im Anschluss Abends zum Essen ein. Wir aßen in einer sehr geselligen Runde und lernten sehr nette neue Leute kennen, da man sonst im Flugbetrieb in Königsdorf eher selten dazu kommt, neue Flieger kennen zu lernen. So flogen wir also am Samstag nicht, das Wetter war eh nicht sonderlich gut. Anderes versprach der Sonntag.

Der Wetterbericht für Sonntag verprach gute Thermik mit Arbeitshöhen bis 2000m. Auch in den Alpen gut fliegbar. So kam es auch. Lars hatte am Abend zuvor den Gerhard um eine Alpeneinweisung gebeten, da er bis jetzt zwar schon die LS8 geflogen hatte, aber noch nicht tiefer in den Alpen als bis zum Blomberg war. Für mich war es nun an der Zeit meine ersten Erfahrungen mit der LS8 zu sammeln. Ich bekam als Auftrag drei Ziellandungen mit der LS8, bevor ich mit dieser Überlandfliegen dürfe, wobei ich mich also immer im Gleitbereich zum Platz befinden sollte. Dafür hatte ich Verständnis. Also holte ich mir Morgens die LS8 von der Hallendecke und montierte die 18m Ohren. Ich machte die Ausrüstung fertig, checkte sie und schon stand ich mit ihr in der Schlange zum Windenstart.

Im Windenstart flog sie ohne Probleme. Danach sah ich Korbinian in der LS4-b südlich von Königsdorf 200m über mir kurbeln und auch ich fand dort einen Bart. Dieser war zwar eng, doch trug er mich zuverlässich auf 1800m. Es dauerte nicht lange, bis ich Korbinian ausgekurbelt hatte. Die LS8 kurbelt fast von allein. Wenn man sie ausgetrimmt hat und den Bart zentriert hat, kurbelt sie fast ohne Steuerkorrekturen im Zentrum weiter und sie steigt wie ein Ballon. An der Basis angekommen, entschied sich Korbinian dazu Richtung Blomberg zu fliegen. Ich wollte lieber meinen Weg alleine gehen, also flog ich Richtung Norden. Die LS8 mit 18m gleitet endlos. Auch mit 160km/h beim Vorfliegen sinkt sie fast nicht. Einfach gleiten, gleiten, gleiten. Ich flog bis Starnberg vor, kurbelte dort noch, doch wenig später flog ich wieder zurück Richtung Königsdorf, da die Bärte dort schlechter wurden und auch die Basis sank. Ich hatte mich unnötigerweise viel zu warm angezogen, sodass ich viel schwitzte. Ich hatte bis hierher auch wenig getrunken und mein Kreislauf machte mir Sorgen, also landete ich wieder, um dann besser vorbereitet erneut zu starten. Zum Überlandfliegen fehlten mir ja eh noch 3 Ziellandungen und ich war zusversichtlich wenig später erneut Anschluss zu bekommen. In diesem Flugzeug fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Noch viel wohler als in der LS4 oder der ASW24 und das will schon etwas heißen!

In der Zwischenzeit war auch Peter beim SCM angekommen. Ich half ihm die Ka6 von der Decke zu holen und so schoben wir danach zusammen unsere Flieger zum Windenstart. Nach 45min warten auf den Windenstart, schaffte Peter den Anschluss an die Thermik. Ich wurde gnadenlos mit 3 – 4 m/s Sinken runtergespült. Da hilft auch eine Gleitzahl von 1:47 nicht sehr viel. Dies wurde meine Ziellandung Nummer zwei.

Ich sagte mir: “Alle guten Dinge sind drei”, also ging ich erneut an die Winde. 45min bis 1h später erwischte ich aus der Winde raus den Bart des Tages. Nur 30s nach Auslinken standen bei mir auf dem Zander Segelflugrechner 4,5m/s integriert. Diesmal hatte sich die Spüle umgekehrt und ich war nach kurzer Zeit auf 2100m. Mit dieser Höhe flog ich Richtung Südwesten. Bei Benediktbeuern testete ich mit der LS8 die Voralpenthermik an. Wir hatten an diesem Tag starken Nordwind und die Hangaufwinde, die aus diesem resultierten, waren hier schon zu spüren.

Aus meinen bisherigen Alpenflügen war mir die Südseite der Benediktenwand bekannt. Also warum nicht die Nordseite mal bei diesem starken Nordwind ausprobieren? Ich war immer noch ca. 500m über Gleitpfad nach Königsdorf. Ich flog also die Nordseite der Benediktenwand in Kammhöhe entlang. Einige Wanderer winkten mir von den Berghütten zu. Ich winkte mit den Flächen zurück, doch mehr als Wanderer gab es für mich an der Benediktenwand nicht zu finden. Ich konnte meine Höhe lediglich um 50m ausbauen. Also flog ich wieder zurück Richtung Königsdorf.

Im Flachland angekommen, fand ich sofort wieder kräfitgere Bärte und einige andere Gleitschirmflieger und Segelflieger. Eine Mosquito flog Richtung Westen. Ich flog ihr hinterher und konnte nur staunen, wie überlegen die LS8 gleitete. Sie flog jedoch weiter Richtung Westen als ich konnte, um den Gleitbereich zum Platz nicht zu verlassen. Außerdem musste ich Wasser lassen, da ich nun sehr viel getrunken hatte, um nicht erneut Probleme mit dem Kreislauf zu bekommen.

Wenig später war ich wieder über Benediktbeuern. Die Aufwinde hier waren in der Zwischenzeit auch schwächer geworden, doch es reichte, um erneut die Benediktenwand entlang zu gleiten. Dieses mal konnte ich meine Höhe jeodch nur noch halten, also glitt ich schleunigst wieder Richtung Königsdorf. Mit der LS8 hatte ich dort angekommen immer noch 1200m. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit und der weiteren Abendplanung, glitt ich nur noch die Höhe ab und landete wieder in Königsdorf. Meine 3. Ziellandung und diese bei kräftigem Seitenwind. Probleme gab es mit der LS8 dabei jedoch nicht. Ein traumhaftes Flugzeug und genial zu fliegen. Lediglich den Logger hatte ich nicht eingeschaltet, da mir bis zum Versuch diesen auszulesen nicht bewusst war, dass dieser separat eingeschaltet werden musste.

In der Zwischenzeit waren Lars und Gerhard gelandet. Sie hatten nach 4,5h  und über 200km den Flug in den Alpen beendet. Sie waren bis zum Anfang vom Engadin geflogen und über Umwege wieder zurück gekommen. Am Abend sprach ich noch mit Hans über meinen Flug und so lehrte er mich, dass es im Inneren der Alpen viel wichtiger sei, auf Sonnenbeschienene Seiten der Berge zu achten als auf die Luv- oder Leeseite, da man sich meistens eh oberhalb der Grate befindet und die Bärte auch auf der Leeseite von Sonnenbeschienenen Hängen zu finden sind. Jedoch sollte man nie zu tief über den Grat fliegen, da man sonst doch ins Lee fallen kann. Lars fragte am Abend den Walter, ob er mit ihm am nächsten Tag in die Alpen gehen wolle, und sie einigten sich dazu. Heute war auch Rüdiger angekommen und hatte mit seiner DG500 geschult. Nach unserem schönem Flug vor zwei Wochen einigten wir uns dazu, am nächsten Tag mal mit der DG500 in Alpen zu gehen.

Thomas regte an, am Montag schon um 7 die Halle auszuräumen, sodass die Flugschüler noch jede Menge Starts machen könnten, bevor sie wieder von den Streckenfliegerstaus betroffen wären. Wir willigten ein, da dies unseren Planungen auch entgegen kam. Lars baute die Winde auf und ich machte den Startleiter. Bis 10 Uhr hatten wir über 20 Segelflugstarts durchgezogen und jeder Flugschüler war 2-3 mal in der Luft gewesen. Im Anschluss daran, machten sie erstmal Pause. Lars und ich beschlossen kurzfristig noch mit der DG1000 Windenerfahrung zu sammeln, also machte ich noch einen Windenstart mit dieser und Lars zwei, bevor die Thermik begann. Es saß jeweils der Andere von uns als Copilot hinten drin.

Gegen 12.00 Uhr hatte die Thermik endlich richtig begonnen, sodass es für uns losgehen konnte. Lars hatte Pech, da Walter die Absprache zum Fliegen nicht eingehalten hatte, aber er machte als Ersatz einen F-Schlepp mit Reiner mit der DG, ebenfalls neuer Fluglehrer und wies ihn auf die DG ein. Ich startete im selben Zeitraum mit Rüdiger mit der DG500. Gerade als wir starten wollten, landeten Hans und ein weiterer erfahrener Strckenflieger wieder und wir wurden das erste mal stutzig. Was sollte das für uns heißen? Wir ließen uns trotzdem auf die Südseite der Benediktenwand schleppen. Diese ließ uns nicht im Stich und wir fanden dort einen Bart der uns bei fast blauem Himmel auf über 2000m trug. Die Inversion im Flachland war gut zu erkennen. Ich wollte ihm den Standard Westabflug zeigen, also flogen wir weiter zum Vorderriss. Dieser ließ uns im Stich und nach einiger Zeit suchen mussten wir Richtung Sylvensteinspeicher abdrehen, um ggf. eine Möglichkeit zur Landung zu haben. Dort schafften wir es aber, uns mühselig wieder hochzukämpfen. Mit einem weiteren Bart an der Südostflanke der Benediktewand, schafften wir es wieder ins Flachland zurück. Bis hier hin hatten wir sehr viel Zeit verloren und es war ein nervenaufreibender Flug gewesen.

Wir flogen noch einige Zeit im Flachland, doch machte das Streckenfliegen an diesem Tag bei Blauthermik keine Freude und bei unser Beider Erfahungsstand ließen wir lieber die Finger von den Alpen an diesem Tag. Bei mir ging es auch wieder mit meinem Kreislauf bergab. Das frühe Aufstehen, die anstrengen Tage zuvor und die brennende Hitze zollten Ihren Tribut. Wir brachen den Flug ab und landeten nach gut 2h wieder in Königsdorf. Auch einige andere waren wieder vom Himmel gefallen. Eines stand fest: Dies war kein leichter Tag zum Alpenfliegen, aber ein guter zum Erfahrungen zu sammeln und einiges dazu zu lernen. Wir Beide haben daraus eine Menge gelernt. Einen Loggerschrieb gibt es von diesem Flug leider auch nicht, da das Flarm einen Schaden hatte und nicht korrekt aufgezeichnet hat.

Wenige Profis schafften es an diesem Tag sogar, durch das Engadin auf die Südseite der Alpen zu springen und über 800km zu fliegen. Dies zeigt mir deutlich, wieviel es für mich noch zu lernen gibt.

Viele Grüße,

Rene

Verfasst von: hoehenfluege | 10. Mai 2010

Das “Flachland” erkunden…

Auf dem Abflug Richtung Osten

Das Wochenende vom 09.05.2010 war wieder eines dieser Wochenenden, wo man eigentlich nicht zum Flugplatz gefahren wäre, sondern besser irgendetwas für die Uni getan hätte, doch fliegerisch motiviert wie Lars und ich waren, fuhren wir wieder nach Königsdorf. Am Samstag machte ich noch bei leichtem Regen mit dem Lars einen F-Schlepp mit der DG-1000T, sodass er auch mal mit dieser Orchidee flog und ich noch mehr Flugerfahrung mit der DG-1000T bekommen konnte. Wir ließen uns auf 1000m MSL (alle Höhenangaben in diesem Blog werden sich auf MSL beziehen) schleppen und landeten leider schon 5min. später wieder.

Ist schon flach in Bayern...

Wir waren dadurch früh zurück an der Uni, sodass wir doch noch etwas für das Studium machen konnten und haben uns passend zum Wetter “Der Tag an dem die Erde still stand” mit ein paar Freunden angeschaut. Einzig der Wetterbericht hatte für Muttertag am nächsten Tag auf besseres Wetter gesetzt. Angesagt war ganz grob: “Im Norden abgeschirmt, Im Südosten gute Wolkenthermik bis 2000m, im Westen abgeschirmt und im Nachmittagsverlauf durch Überentwicklungen gestört.” Wir durften uns wohl glücklicherweise zum Südosten zählen, denn bei uns blieb ein kleiner Quadrant gut fliegbar, jedoch war dies kein geeigneter Tag für einen Anfänger wie mich, um die Berge ins Auge zu fassen. Der Wetterbericht behielt jedoch ausnahmesweise mal recht.

Um 9.00Uhr am Flugplatz in Königsdorf angekommen, waren wir zuerst wieder eine halbe Stunde alleine, bis gegen 9.30Uhr der Rüdiger aufschlug gefolgt vom Willi, der wenig später ankam. Wir waren also zu viert und bis zum Nachmittag wurden wir auch nicht mehr vom SCM, die fliegen wollten. Danach räumten wir die Halle, da Willi LS4-b fliegen wollte und Lars wieder ein wenig mehr Flugerfahren mit der LS8-18 sammeln wollte. Sein Kommentar zur Frage, ob mit 15m oder 18m fliegen: “Das Flugzeug ist ganz bezahlt, also flieg ich auch mit dem kompletten Flugzeug !”

Blick über Ottobrunn hinweg Richtung München

Also schoben wir die beiden Flieger zum Start. Einige Isartaler waren zu dem Zeitpunkt dabei, große Pläne für die 3. Runde der Bundesliga zu schmieden. Westlich von Königsdorf waren dicke Abschirmungen, die Basis in den Alpen sehr tief, im Norden die Kontrollzone vom München. Einzig im Osten sah es gut aus, also flogen sie auch Richtung Osten. Bei den angesagten Überentwicklungen planten sie eh nicht mehr, als einfach die Wolkenstraßen in Bundesliga-Wertungszeit für schnelle Schnitte abzufliegen. Für große Strecken würde dieser Tag nicht reichen. Einzig die Profis mit den 18m Seglern flogen an diesem Tag 400km, allerdings auch im “Flachen” Richtung Osten. Nur wenige versuchten ihr Glück in den Alpen.

Als Lars und Willi letztlich in der Luft und Rüdiger und ich nur noch zu Zweit waren, fingen wir an zu überlegen, wie wir wohl in die Luft kommen würden. Die DG-1000T stand noch völlig unvorbereitet in der Halle. Rüdiger hatte zuvor noch nie DG-1000T geflogen und ich wollte schon gerne wieder einen F-Schlepp machen. Also machten wir kurzerhand die DG fertig und schoben sie an den F-Schlepp Start. Ich wies Rüdiger in die wesentlichen Dinge der DG-1000T ein. Vom Flugverhalten kannte er sie ja schon in etwa, durch die Erfahrungen mit seiner eigenen DG505.

Wieder in Königsdorf angekommen

Wir ließen uns auf 1600m schleppen, sodass wir bei dem späten Abflug nicht noch ewig kämpfen mussten, um an die Basis ranzukommen. Danach flogen wir einfach die Wolken entlang Richtung Osten. Die Basis stieg sogar bis auf 2050m an. Die Bärte waren auch gut. Als die Basis weiter Richtung Osten und ab dem Chiemsee jedoch spürbar wieder abfiel entschieden wir uns bei Rosenheim mal wieder ein wenig Richtung Norden zu fliegen bis an den Luftraum C ran, sodass ich dort auch die Landschaft kennen lernen konnte. Bis hierhin lief der Flug problemlos.

Diese Perspektive habe ich immer wieder gerne;)

Am Rand des Luftraums angekommen, flogen wir wieder Richtung Westen. Wir flogen direkt an Ottobrunn vorbei kzw. kurbelten dort auch einige Zeit. Ich machte einige Fotos von der Uni und Rüdiger machte ein paar von seiner Firma. Danach ging es weiter Richtung Starnberger See. Hier wurde die Thermik wieder spürbar schwächer und unter der Abschirmung, die ungefähr beim Starnberger See begann, standen auch nur noch wenige Cumulanten.

Meine Wenigkeit

Wir versuchten unser Glück trotzdem und flogen weiter den Wolken entlang. Wir suchten bei den Ortschaften am Starnberger See noch Bärte , jedoch fanden wir fast nur noch verstärkstes Sinken. Da retteten uns einige Bussarde. Es waren bestimmt 10 an der Zahl, die gleichzeitig mit uns im Bart kreisten. Ich hatte schon öfter mit Bussarden in einem Bart gekreist und sie haben mir auch schon oft die Bärte gezeigt, aber so viele gleichzeitig war für mich etwas Neues. Eine tolle Erfahrung und auch sehr beeindruckend. Sie kreisten mit uns und teilweise so dicht an unserer DG dran, dass wir jede einzelne Feder erkennen konnten. Auch solche Momente gehören zu den unvergesslichen beim Segelflug. Sie retteten uns und wir flogen wieder schleunigst Richtung Westen.

Als die Wolken im Westen sich danach auch langsam auflösten und wir noch auf schwache Bärte trafen entschieden wir uns dazu, nach Hause zu gleiten. Wieder in Königsdorf mit ausreichend Höhe angekommen, sahen wir einige Segler in einem Aufwind unter einem Wolkenfetzen fliegen. Wir hatten bis hier her nicht sehr Schnitt- und Strecken optimiert geflogen und für uns stand mehr der Spaß am Fliegen im Vordergrund am heutigen Tag, also stiegen wir noch mal bei ihnen im Bart ein. Dieser trug uns noch mal rauf bis auf 1800m. Mit dieser Höhe glitten wir noch bis zum Blomberg und schauten, ob dieser nicht noch Hangaufwinde für uns hätte. Auf dem Weg dahin flogen wir jedoch wieder durch verstärktes Sinken und mussten deshalb vor dem Sprung auf die Südseite wieder umdrehen. Wir machten noch einen schnellen Vorbeiflug und beendeten damit diesen schönen und erfahrungsreichen Flug.

Blick über den Blomberg hinweg Richtung Benediktenwand

Wir beide hatten sehr viel Freude auf diesem kurzen Trip im Alpenvorland. Rüdiger war auch sichtlich angetan von diesem tollen Flugzeug.

Viele Grüße,

Details zum Flug am 09.05.2010

Rene

Verfasst von: hoehenfluege | 26. April 2010

Mein großer Tag

Dieser Tag begann wie ein ganz normaler Sonntag. Um 06.30Uhr ging der Wecker. Ich ging duschen, während Lars die Brötchen holte. Rüdiger hatte mit uns in Königsdorf übernachtet. Wir frühstückten gemütlich um 07.30Uhr. Danach räumten wir so langsam die Flieger aus der Halle. Wir planten, was wir an diesem Tag machen wollten. Lars wollte an jenem Tag seine 3 Ziellandungen mit der LS8-18 machen, doch der Tag sollte nur für eine reichen. Ich wollte noch ein wenig Flugpraxis mit der DG1000 bekommen, d.h. ich wollte ein paar Windenstarts mit dieser machen.

Ich machte mich nach dem Frühstück daran die DG1000 einzuräumen und alle Vorbereitungen für einen frühen Flugbetriebsbeginn zu treffen. In Königsdorf schafft man häufig nicht mehr als 3 Windenstarts am Tag mit einem Flugzeug. Einfach auf Grund dieser Vielzahl an Schulungsflugzeugen und anderen Seglern. Deshalb fangen wir sehr früh mit den Windenstarts an.

Gerade als ich dachte, dass dies ein Tag, wie am Wochenende zuvor werden sollte, an dem ich lediglich 3 Starts an der Winde mit der LS4 bekam, schlugen die ersten erfahrenen Alpenflieger des SCM auf. Zuerst kam der Raphael und danach der Gerhard. Diese Beiden baten mich darum, ihnen den Vortritt bei der DG zu lassen, da sie Überprüfungsstarts mit Fluglehrer brauchten, um wieder selbst fliegen zu können. Ich gewährte. Daraufhin fragte mich der Raphael, nachdem ich ihm erzählte, was ich ursprünglich vor hatte, ob ich nicht Lust hätte, dass ich mit Ihm in die Alpen fliege. Ich muss zugeben, dass ich kurz zögerte. Sollte dies wirklich wahr sein und ich wieder einen Alpenflug bekommen? Ich willigte ein. Raphael lieh mir das Geld für den F-Schlepp und wir machten uns daran, die Vorbereitungen für einen Alpenflug zu treffen.

Wichtige Dinge, die man auf jeden Fall dabei haben sollte: Trinksack, Karten, Pinkelutensilien, Essen und eine Digitalkamera ;) .

Gegen 12.00Uhr hob unser Schleppzug ab. Wieder ging es an den Blomberg. Doch dieser zog erneut nicht. Damit rechneten wir aber beide, nachdem ich Raphael von meinen Erfahrungen am Tag zuvor berichtet hatte. Also wieder mit dem Turbo an die “Bene”-Wand. Dies wurde wie gestern unser Einstieg in die Gebirgsthermik. Erneut zeigte mir der Raphael die ganzen Außenlandefelder. Wir wählten heute den Abflug über West. Auf diesem Weg wurden wir begleitet von einer weiteren DG1000 und einem Discus, die uns nach der Bene-Wand folgten. Immer wieder zeigte mir Raphael alternative Routen und Bärte auf, die man auch in niedrigeren Höhen bekommen würde. Er lies mir immer wieder die Wahl, den Flugweg zu wählen. Doch meine Entscheidung war klar. Ich wollte ins Inntal! Dies erschien mir in vielen Flügen, die ich mir von Königsdorf angschaut hatte, ein Schlüssel zu schnellen Schnittgeschwindigkeiten und somit großen Strecken zu sein. So auch heute!

Zunächst zeigt er mir aber den Weg Richtung Westen und das Karwendelgebirge. Wir flogen direkt südlich an der Zugspitze vorbei, wahrscheinlich nur 50m unterhallb dieser. Dies war ein imposanter Anblick. Im Anschluss zeigte Raphael mir die Punkte, an denen wir mit der Kontrollzone von Innsbruck aufpassen mussten. Diese Zone ist echt ein Hindernis, aber sie ist umfliegbar, ohne dass man große Kurskorrekturen und Einschnitte in Flugoptimierung in Kauf nehmen muss. Die ATIS von Innsbruck sollte man aber doch abhören bzgl. der Aktivität des Segelflugsgebiets Innsbruck.

Wir wendeten unmittelbar vor dem Hexenkopf in fast 3300m MSL. Ab hier waren wir auf unserer Rennstrecke. Der Flug wurde richtig schnell. In der nächsten Stunde flogen wir über 120km. Wir flogen bis zur nächsten Wende kurz vor Kufstein quasi nur geradeaus. Mit leichten Kuskorrekturen wegen dem Segelfluggebiet bei Innsbruck glitten wir dahin, direkt von Wolke zu Wolke, von Grat zu Grat wie auf einer unsichtbaren Schnur. Kurz vor Jenbach mussten wir dann nochmal 200m Höhe abbauen, dies war uns im Gleitflug an der Grenze zur Manövergeschwindigkeit bei dieser böigen Thermik nicht gelungen. Wir gingen auf unter 2850m und glitten dann weiter bis Wörgl.

Dort zeigte mir Raphel wieder meine Alternativen auf. Entweder zurück nach Königsdorf, das Inntal zurück Richtung Seefeld oder rüber zum Wilden Kaiser. In der Zwischenzeit waren leider schon dicke Gewitterwolken nördlich vom Karwendelgebirge aufgezogen, so dass wir uns sorgen um eine Heimkehr machen mussten. Wir entschieden uns dazu nochmal das Inntal zurück nach Seefeld zu fliegen. Einerseits, um unsere Schnittgeschwindigkeit zu erhöhen. Andererseits, da wir dort dann mehr Höhe haben könnten, um nach Hause zu gleiten. Es ging also zurück. Diesmal mit Rückenwind, aber leider nicht ganz so problemlos wie wir gehofft hatten. Wir mussten einige schlechte Bärte liegen lassen, bis wir auf den nächsten brauchbaren bei der Hochnissl stießen. Von dort aus ging es nun wieder schneller weiter.

In Seefeld mit noch fast 3000m angekommen, entschieden wir uns dazu direkt zurück nach Königsdorf zu fliegen. Die Basis sank wieder spürbar ab und wir mussten durch einige Schauern durchfliegen. Wir befanden uns jedoch ständig min. 200m über Gleitpfad. Die DG1000 bietet da echt jede Menge Reserven und sie gleitet verdammt gut. Im flachen war das Wetter dann wieder ruhig und es standen sogar einige gute Bärte um Königsdorf. Mit Blick auf die geflogenen Kilometer fragte mich Raphael, was mein längster Flug sei und ich antwortete spontan dieser hier, wobei ich noch keine Ahnung hatte, wieviel Kilometer wir wirklich geflogen waren. Raphael wies mich daraufhin, dass uns nur 40km für das 400er fehlen würden und packte mich beim Ehrgeiz. Sollte bei meinem ersten richtigen Alpenflug gleich ein 400er rauskommen? Wir dehnten also unsere Strecke Richtung München aus, die Schauerwolken immer im Nacken. Zunächst fanden wir noch brauchbare Bärte, doch weiter Richtung München erledigte sich dies ganz schnell. Dabei tauchte auch plötzlich der Lars mit der LS8-18 neben uns auf, folgte uns dann jedoch nicht weiter Richtung München. Mit Blick auf unsere Höhenreserven mussten wir leider umkehren. Zu früh, um die 400km voll zu bekommen. 4h 48min nach unserem Start und 390km weiter landeten wir wieder in Königsdorf und hatten den Flieger gerade in der Halle, bevor uns die ersten Regentropfen erreichten.

Trotz des Pechs, das wir gegen Ende hatten, wurde dies mein längster, größter und schnellster Segelflug bisher. Dabei war dies mein erster richtiger Alpenstreckenflug. Dies macht Mut auf mehr.

Die Profis flogen heute ähnlich wie wir zu erst Richtung Westen, wendeten und flogen dann das Inntal entlang. Sie machten den Sprung zum Wilden Kaiser, um weiter Richtung Osten zu fliegen. Dies sollte sich für sie auszahlen. Es schafften danach jedoch nicht alle wegen des Regens und der Gewitter in Königsdorf zu landen.

Die Saison hat gerade angefangen und dieser Flug erstere größere Alpenstreckenflug motiviert. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, dem SCM beizutreten. Ich bereue keine Sekunde. Ich danke dem Raphael dafür, dass er mich so gut gelehrt hat.

Auf dem Heimweg hinter Seefeld

Fazit: Es gibt von Königsdorf aus im Prinzip 3 Standardabflüge, um vernünftig in die Alpen zu kommen. Diese muss man unbedingt beherrschen und man muss wissen bei welchen Höhen man zu welchen Punkten gleiten kann. Dies ist Grundstein dafür, dass man ins Inntal kommt, oder ins Engadin oder weiter Richtung Osten am Wilden Kaiser vorbei. Dies sind die Schlüssel zu großen Alpenstreckenflügen. Das Fliegen auf diesen “Rennstrecken” geht bei guten Wetterlagen wie von selbst. Außerdem muss man Täler kennen, die man meiden bzw. mit Vorsicht genießen sollte, da sie unlandbar sind. Eine gute Flugplanung und gute örtliche Kenntnisse sind dabei sehr von Vorteil. Ich kann jedem nur empfehlen, sich erfahrene Piloten an die Hand zu nehmen und mit diesen die Standardrouten auf der Karte nachzugehen oder sogar im Doppelsitzer nach zu fliegen, bevor man schließlich alleine auf die großen Alpenstrecken geht. Ich bin begeistert darüber, mit welcher Freude die Piloten beim SCM ihre Erfahrungen weitergeben. Aber ich habe noch eine Menge zu lernen.

Details zum Flug am 25.04.2010

Details zum Flug am 25.04.2010

Verfasst von: hoehenfluege | 26. April 2010

Der erste Schritt

Das Wochenende vom 24.04.2010 begann ich, genau wie so oft mit anderen Absichten, doch häufig sind die spontanen Aktionen diejenigen, die einem Menschen Geschichten für das Leben bringen.

Als Lars und ich am Samstag Morgen gemütlich zusammen zum Flugplatz rechneten wir nicht damit, dass wir aus dem Wochenende mit 6 Flugstunden für Lars und seinem ersten Flug mit der LS8 (gleich über 5h) und ich mit 7,5 Flugstunden und zwei Alpenflügen mit der DG1000 wieder  rauskommen würden. Viel mehr war Planung am Samstag Morgen mit einigen Leuten von der DAeSA Außenlandefelder anschauen zu gehen. Doch auch die entschieden sich dazu, bei diesem Wetter die Felder lieber aus großer Höhe zu betrachten.

Lars und ich vor dem Start mit der DG505

Lars und ich vor dem Start mit der DG505

Am Flugplatz angekommen wurden wir jedoch ganz schnell auf andere Gedanken gebracht. Jeder, der an diesem Morgen den Wetterbericht gelesen hatte, wusste, das dieses Wochenende zu guten Alpenstrecken führen würde. Jedoch waren wir permanent skeptisch, da die Sicht sich auf weniger als 25km beschränkte und es in den Voralpen beim Blomberg auch nicht sehr rosig aussah. Die Isartaler waren da optimistischer und die ersten Piloten ließen sich schon um 12 Richtung Alpen schleppen. Die Erfolge gaben Ihnen recht. Ich plante zuerst meine Flugpraxis mit einigen Windenstarts mit der LS4 zu verbessern, doch die Anzahl der Fluglehrer am Platz und der Optimismus der alten Hasen reiften in mir den Gedanken, dass dies mein Wochenende werden könnte. Also sprach ich den Kai an. Er sagte er hätte nicht viel Zeit, doch für eine Einweisung in den Alpen, eine Einweisung auf der DG1001T und eine Überprüfung meiner Flugpraxis im F-Schlepp sollte es reichen.

Wir zogen die DG1001T aus und schoben sie zum F-Schlepp Start. Dann ging es auch schon los. 10.46Uhr hob der Schleppzug ab und wir flogen zum Blomberg. Kai zeigte mir sofort, wo an normalen Tagen am Blomberg der Bart ständ, doch der Vorführeffekt machte uns einen Strich durch die Rechnung. Heute diente uns der Blomberg nicht als Einstieg. Also flogen wir bis hinter Bad Tölz, um den Turbo zu werfen. Dann ging es mit 90km/h Richtung Benediktenwand. Die erfahrenen Streckenflieger hatten sich direkt bis dort schleppen lassen, doch wir mussten dafür den Turbo nutzen. Dieser ist in den Alpen jedoch wirklich nicht viel wert. Er streckt maximal den Gleitwinkel. In brenzligen Situationen mit krassen Sinkraten tief in den Alpen wird dieser keine Hilfe sein. Als wir dann endlich über dem Grat der Benediktenwand waren fanden dann auch wir Anschluss an die Gebirgsthermik. So musste ich lernen, dass man in den Alpen in der Thermik sehr steil und schnell kreisen muss, damit man immer genügend Alternativen hat, falls man mal ins Lee kommen sollte. Auch konnte man nun deutlich erkennen, wie die Basis innerhalb von den Alpen immer weiter Anstieg, so lag sie hier für uns noch auf 2200m MSL, jedoch schon weiter südlich von der Jachenau stieg diese auf 2600m. Kai zeigte mir nun einen der Standard Abflüge Richtung Inntal, wobei er sich immer wieder Zeit nahm um mir einzelne Außenlandefelder und Ortschaften zu zeigen und zu erklären. Wir flogen dann noch bis zum Achensee, bevor wir uns dann wieder auf den Rückweg machten. Dort auf 2600m befindet man sich mit der DG1000 ohne Probleme im Gleitbereich. Dies ist wirklich ein großartiges Flugzeug. Auch der Segelflugrechner LX8000 ist eine große Stütze. Dieser ersetzt jedoch keinesfalls eine richtige Karte, wie ich immer wieder feststellen durfte. Nach ca. 90 geflogenen Alpenkilometern landeten wir wieder in Königsdorf. Die Profis sollten heute Strecken bis 800km fliegen und Bundeslligaschnitte von 120km/h.

Erstaunt war ich auch über die Vielzahl an Flugsportgeräten über den Alpen, damit meine ich nicht nur andere Segelflugzeuge, sondern auch Gleitschirme, Drachenflieger und Motorflieger. Wir flogen an beiden Tagen ohne Flarm und ich denke es war für mich als Anfänger besser so. Luftraumbeobachtung ist in den Alpen noch viel wichtiger als im Flachland, da man Flugzeuge auf Gegenkurs frühzeitig erkennen muss. Genauso andere Gleitschirmflieger, die häufig kein Flarm besitzen tauchen gerne mal, bei einem Segelflieger im Bart auf.

Blick aus der DG500 auf das SFZ Königsdorf

Blick aus der DG500 auf das SFZ Königsdorf

Fazit: Dieser Flug macht Lust auf mehr. Ich habe an diesem Tag schon eine Menge gelernt, doch die große Lehrstunde sollte am nächsten Tag folgen.

Am Ende des Tages sollte dann auch noch mein erster Flug mit einer DG500 folgen. Der Lars wurde vom Rüdiger auf seiner privaten eingewiesen und dieser erlaubte uns eine Runde damit zu drehen. Dafür noch mal vielen Dank! Auch ein tolles Flugzeug.

Fluginfos zum Streckenflug am 24.04.2010

Flugdetails zu meiner Alpeneinweisung mit dem Kai

Verfasst von: hoehenfluege | 20. April 2010

Mein bisheriger fliegerischer Lebenslauf

An dieser Stelle muss ich mich zuerst bei einigen Leuten bedanken.

Dazu gehören zu aller erst Mirco M. und Simon H., ohne die es mir nie möglich gewesen wäre meine Eltern davon zu überzeugen, dass ich mit der Segelflugausbildung beginnen durfte. Auch muss ich an dieser Stelle den Organisatoren der Projekttage damals 2004 an meiner alten Schule danken, bei denen ich schon einige Gastflüge beim FSV Emmerich-Rees machen konnte. Dies war schließlich der Auslöser der Diskussion, die letztlich dazu führte, dass ich mit der Ausbildung begann.

Auch danke ich meinen Eltern, denn ohne sie wäre es mir nie möglich geworden, neben der Schule so viel fliegen zu können. Sie finanzierten meine fliegerische Karriere in den Anfangsjahren nahezu vollständig. Sie haben einen langen Traum von mir in Erfüllung gehen lassen, der immer noch der stärkste Antrieb für alle Leistungen, die ich erbringen muss, ist.

Die Projekttage, bei denen ich in Emmerich zum ersten mal flog, fanden im April 2004 unmittelbar vor den Osterferien statt. Im Anschluss daran machte ich einen Schnupperkurs beim LSV Goch (EDLG) zusammen mit meinem Vater und Bruder. Danach war der Entschluss gefasst: Wir würden alle mit der Segelflugausbildung beginnen! Bis zu den Sommerferien erledigten wir alle Formalitäten für den Beginn der Sgelflugausbildung, wozu z.B. auch die Überprüfung durch einen Fliegerarzt gehört.

In den Sommerferien 2004 begannen wir nun mit der Schulung. Geschult wird beim LSV Goch auf einer ASK 13.  Auf meinen ersten Alleinflug mit der 13 sollte ich jedoch noch bis zum Frühjahr 2005 warten, da ich durch einige andere Hobbys, die ich in dieser Zeit noch hatte, zu sehr zeitlich gebunden war, um regelmäßig jedes Wochenende fliegen zu können. Nach dem ersten Alleinflug stieg ich schon früh auf die Ka 8 um, auf der ich mittlerweile über 150 Starts habe.

Das erste Highlight wartete dann im Sommer 2005 auf mich. Wir fuhren mit dem LSV Goch für 3 Wochen ins Fliegerlager nach Coburg Steinrücken (EDQY). Zu dieser Zeit flog ich schon den vereinseigenen Astir. Es war ein tolles Erlebnis für mich, dort das erste mal in einer einigermaßen hügeligen Landschaft zu fliegen. Schon dort faszinierte mich die Entstehung von Hangaufwinden und in niedrigeren Höhen waren dort erste effekte davon zu spüren. Mir gelang dort jedoch nur ein längerer Thermikflug. Trotzdem hatte ich dort eine schöne Zeit, an die ich mich gerne zurück erinnere.

Danach gibt des erst mal nichts weiter zu erzählen. Die fliegerische Karriere lief mehr oder weniger gemächlich weiter. Einzig mein jüngerer Bruder Marcel nahm am Jugendvergleichsfliegen in Borken-Hoxefeld teil. Dabei unterstütze ich ihn natürlich als Helfer. Ich kann jedem nur empfehlen, so etwas in seiner Jugend mal mit zu machen. Man erlebt dort eine Menge und lernt einen ganzen Haufen neuer Leute kennen, die alle die gleichen Interssen haben.

Im Sommerlager 2006 des LSV Goch’s war ich wieder dabei. In diesem Sommer gab es für mich einen der erlebnisreichsten Flüge, die ich je von Goch aus gemacht hatte. Es gab an einem Tag und zwar dem 19.07.2006 Blauthermik mit ansteigender Basis und gegen Abend aufkommender Cumulus Bewölkung. Die Basis stieg an besagtem Tag am Niederrhein von Anfangs 1800m bis auf 3000m an! Dies ist für den Niederrhein mit einem 6er im Lotto gleichzusetzen. Da hatten sogar die Fluglehrer keine Probleme mehr damit, wenn man sich 10km entfernt von der Platzrunde in einer Ka8 befand. Ein berauschendes Erlebnis. Am 24.07.2006 machte ich meinen ersten Überlandflug. Ich flog mit einem Fluglehrer 140km Strecke als meteorologische Überlandflugeinweisung mit einer ASK21 und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das ist es! Immer am Platz Thermik zu fliegen ist zwar auch schön, aber die Erlebnisse und Eindrücke auf einem Überlandflug sind tausendmal besser. Immer die Fragen: “Was jetzt?”, “Wohin als nächstes?”, “Kommen wir noch nach Hause?”, “Nehmen wir den Acker?” ;) . Dies ist die wahre Fliegerei. Das ist der Sport, der den Segelflug erst so richtig spannend macht. Das Messen mit den Kräften der Natur. Der Versuch, den bestmöglichen Flug an den jeweiligen Wetterlagen herauszuholen und der Vergleich mit anderen Piloten, was die so geschafft haben. Beim Streckenfliegen gibt es immer wieder tolle Augenblicke, die unbeschreiblich sind. Dies ist die Passion. Die Krönung davon ist, wie ich jetzt feststellen durfte, der Segelflug im Gebirge, doch dazu lest meine Flugberichte. 2006 machte ich auch noch eine navigatorische Überlandflugeinweisung mit einem Motorsegler, die jedoch kein besonderes Ereignis für mich darstellte. Große Fortschritte machte ich danach im Jahr 2007.

In diesem Jahr kam ich gerade in die 13. Klasse. Ich sagte mir: “Flugschein jetzt, oder nie!” Ich entschied mich für “jetzt”. Über den Winter machte ich mein BZF II. Daraufhin durfte ich beim LSV Goch die ASW15-B fliegen. Auch ein sehr tolles Flugzeug. Zu meinem Bedauern wurde diese jedoch zum Anfang des Jahres zu Gunsten von Neubeschaffungen verkauft.  Im Sommer 2007 fuhr der LSV Goch wieder ins Fliegerlager. Zum ersten mal ohne mich. Ich nutzte die Zeit, um für die Theorie für den Flugschein zu lernen. Drei Wochen lang jeden Tag pauken, aber nicht umsonst. Als der LSV Goch aus dem Fliegerlager in Leibertingen an der Schwäbischen Alb mit traurigen Gesichtern wieder kam, da sie 3 Wochen fast durchgängig Regen hatten, hatte ich gerade meine Theorie bestanden und hatte folglich auch keinen Grund die Entscheidung zu bereuen, nicht mit ins Fliegerlager gefahren zu sein.

Am 21.07.2007 machte ich erneut eine Überlandflugeinweisung mit einer ASK 21. Nicht ganz die Strecke wie beim letzten Flug. Diesmal wendeten wir bei Wesel und Borken-Hoxfeld. Dieser bereitete mich auf den darauf folgenden Tag vor. Am nächsten Tag lag die basis bei ca. 1200m, eigentlich wollte ich an jenem Tag gar nicht meine 50km fliegen, da ich hätte früh gehen müssen, doch die Fluglehrer und das Wetter überzeugten mich, es doch zu riskieren. Sie überließen mit freie Hand bei meiner Flugplanung. Als möglich Ziele kamen in Betracht: Dinslaken-Schwarze Heide oder Borken-Hoxfeld, wo wir schon am Vortag gewendet hatten. Ich schaute in den Himmel und auf den Windsack: Rückenwind Richtung Borken und sogar eine Wolkenstraße! Mein Entschluss war gefasst und schon ging es los: Barograph in die Ka8, Karte rein und mit der Winde nach oben. Direkt der erste Bart trug mich auf 1200m und brachte mich an die Wolkenstraße. Von da an musste ich nur noch gerade ausfliegen bis auf 3 oder 4 Kreise. Ich erreichte Borken-Hoxfeld nach 45min. in 1000m Höhe. Insgesamt dauerte der Flug mit der Ka8 für ca. 55km nur 52min.! Jetzt fehlte mir nur noch die praktische Prüfung.

Davor wartete auf mich jedoch noch ein weiteres Highlight: In diesem Jahr ging es für mich als Teilnehmer zusammen mit meinem Bruder, der ebenfalls kurzfristig teilnehmen durfte nach Oeventrop ins Sauerland zum Jugendvergleichsfliegen! Mein Bruder war in dem Jahr unter den Top 10. Ich landete auch noch im oberen Mittelfeld. Ein voller Erfolg! Und wieder haben wir dort eine Menge Spaß gehabt. Jugendverlgeichsfliegen sind immer gut!

Am 15.09.2007 hatte ich letztlich meine praktische Prüfung für den Flugschein. Natürlich bestand ich diese. Nachdem mir dann der Flugschein zugeschickt wurde, habe ich erst mal mit meinen ganzen Freunden geflogen, die bis zu diesem Tag kein Verständnis für meine Passion und für die Zeit, die ich dafür auf wendete hatten. Danach aber schon! Für mich war da aber leider die Saison beendet. Vorabiklausuren sorgten dafür, dass mir erst mal keine Zeit blieb, meine neu gewonnen Freiheit noch auszokosten. Erst im April, nach den Abiprüfungen flog ich wieder richtig. In dieser zeit machte ich auch meine ersten Starts mit dem zu der Zeit hochwertigsten Flieger des LSV Goch, einer LS4-b. Von der ASW15 auf die LS4 war das eine ganz schöne Leistungsteigerung. Jedoch landete ich gleich bei meinem ersten Überlandflug mit der LS4-b am 6.7.2008 außen bei Altforst in den Niederlanden. Bis dahin hatte ich 123km geflogen bei durchwachsenem Wetter. Im Juli 2008 erwarb ich auch eine F-Schlepp Berechtigung.

Im August 2008 ging ich zum Bund als Offizieranwärter bei der Luftwaffe. Durch die Ausbildung dort, die 700km fern von zu Hause in Fürstenfledbruck statt fand, war es mir erst mal nicht mehr möglich mein Hobby weiter aus zu üben. Ich flog insgesamt 11 Monate nicht. Dies war eine schmerzhafte Erfahrung. Immer wieder ging der Blick an schönen Tagen gen Himmel und ich träumte vom fliegen, doch ich musste mir immer wieder sagen: “Geduld Rene! Bau dein Leben in Ruhe auf! Erst ein eigenes Auto und dann hast du an der Uni genügend Zeit und Mittel, um voll durch zu starten!” Ich hielt durch, aber ich hoffe, dass ich nie wieder so lange nicht fliegen kann.  Nach der OSLw machte ich ein heimatnahes Grundpraktikum für mein Studium. In dieser Zeit fing ich wieder an zu fliegen. Da flog ich auch zum ersten Mal, die vom LSV Goch neu beschaffte ASW24. Ich hätte nie gedacht, dass es zwischen modernen Segelflugzeugen, also der LS4 und der ASW24 noch so gewaltige Unterschiede in den Flugeigenschaften geben würde. Die LS4 ist schon toll, aber die ASW24 ist ein Traum!

Im August ging es für mich wieder zwei Wochen mit dem LSV Goch ins Fliegerlager nach Wittstock-Berlinchen. Der schönste Urlaub, den ich je hatte. An einem Tag flog ich mit einem Flugschüler hinten in der ASK21 140km Strecke und an einem anderen Tag 170km mit der ASW24. Ich konnte die Strecken leider nicht größer machen, da ich keine Segelflugkarte von Brandenburg besaß und der Kartenausschnitt, den ich bekam, sich nur auf einen kleinen Teil beschränkte. Trotzdem tolle Streckenflüge. Auch erlebte ich zum ersten Mal deutlich eine Luftmassengrenze. Bei einem Flug mit der Ka8 stellte ich auf einmal Basishöhenunterschiede von zwei benachbarten Wolken von über 200m fest und dies auf einer ganzen Kette von Wolken. Drei mal könnt ihr Raten, was ich da mit der Ka8 ausprobiert habe. Ich sage nur: Ich konnte meinen Schatten deutlich sehen. An diese Zeit dort werde ich mich auch immer wieder gerne erinnern! Das wären sehr nette Leute dort und alle genauso vom Segelflug begeistert, wie ich.

Im September 2009 ging es für mich schließlich an die Universität der Bundeswehr in München und hiermit endet mein bisheriger fliegerischer Lebenslauf. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen der Berichte darüber, was ich nun beim Segelflug in Alpen erleben werden bzw. für Erfahrungen gemacht habe. Genau mein 300. Segelflugstart war mein erster beim SCM in Königsdorf!

Viele Grüße!

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