Es war der 26. Juni 2010. Kein leichter Tag…
Ein längerer Bericht zu einem kurzen Flug…
Es war in den Alpen bzw. für das Engadin gute bis sehr gute Thermik vorhergesagt. Wir hatten einigermaßen starken Wind aus Nord bis Nordost. Die Basis sollte in den Alpen bis auf 3000m ansteigen.
Lars und ich wollten nun ein letztes Mal vor der Prüfungszeit fliegen gehen. Irgendwie muss man ja abschalten vom ganzen Lernen und wir beide können es nirgendwo besser, als beim Segelfliegen. Der Sonntag sollte deutlich der bessere Tag werden und so war es auch, jedoch konnten wir es beide nicht mit unserem Gewissen vereinbaren, noch einen Tag nicht zu lernen. Unser Studium ist nun mal die finanzielle Grundlage, um die Fliegerei ausleben zu können.
Lars und ich waren uns einig, an diesem Tag in die Alpen zu fliegen und den Einstieg ins Engadin zu versuchen. Wir bereiten uns zügig vor und schon gegen 11.30Uhr hoben wir mit der DG1000 ab. Es ging bis auf 1600m zum Blomberg. Beide waren wir uns jedoch auch einig, bei unserem Erfahrungsstand nicht sehr viel riskieren zu wollen. Wichtiger war für uns die Erfahrung und der Spaß am Alpenflug.
Wir klinkten aus, bedankten uns beim Schlepper und schon ging die Suche nach dem ersten Bart los. Der Blomberg zog nicht so zuverlässig, wie wir es trotz Nordwindkomponente erwartet hatten. Es waren aber einige Cumulanten in greifbarer Nähe und wir entschieden uns für einen weiter südlich auf dem Weg Richtung Benediktenwand. Dies war die richtige Entscheidung. Mit ca. 2m/s integriert ging es bis auf 2000m.
Danach glitten wir über der Benediktenwand hinweg, wobei wir auf der Südseite, also Leeseitig einen kräftigen Bart fanden. Wir drehten zwei Kreise mit 3-4 m/s integriert und waren schon wieder an der Basis von ca. 2000m. An dieser Stelle übernahm Lars kurz das Ruder.
Er flog nicht den direkten Weg Richtung Vorderriss, sondern Richtung Osten zum Sylvensteinspeicher. Er vermutete unter dunklen Wolken, die dort standen einen Bart. Ich ließ ihn gewähren, obwohl wir beide skeptisch waren, da dies eine Wolke war, die sehr breitgelaufen war und ich mich unweigerlich an die Erfahrung aus dem letzten Flug mit Willi erinnern musste, die uns den Gleitflug nach Hause kostete.
Auch diesmal gab mir mein Gefühl recht. Hier war nichts zu holen. Vermutlich wurde jegliche Ablösung hier durch die fehlende Sonneneinstrahlung verhindert.
Relativ zügig glitten wir nun zum Vorderriss. Hier standen nur zwei kleinere Cumulanten, die noch genügend Sonneneinstrahlung auf den Hang zuließen. Hier bekamen wir wieder Anschluss und kurbelten uns wieder rauf auf 2000m. Jetzt trafen wir aber die schlechteste Entscheidung des Tages.
Mit dieser Höhe glitten wir zu den Sojern und versuchten den Standardabflug, anstatt den Umweg weiter Richtung Westen zu nehmen und hinten herum zu fliegen, wie es die meisten anderen machten. Wir kamen vielleicht 50m über Grathöhe an den Sojern an, fanden jedoch nicht mehr als Nullschieber. Wir sahen hier aber weiter am Grat entlang einen guten Cumulanten stehen. Dieser war es auch mit Sicherheit und nur war es für uns nicht mehr möglich an diesen heran zu kommen. Diese Erkenntnis macht man jedoch, wie immer, erst dann, wenn es schon zu spät ist.
Die Grat von den Sojern steigt weiter Richtung Westen immer weiter an. Wir konnten jedoch nicht mit dem Grat steigen und mussten unter Grathöhe weiter zur Wolke fliegen und genau hierin bestand das Problem, wie ich im Nachhinein feststellen musste. So hatte Raphael mir damals schon bei einer nahezu identischen Wetterlage nur mit deutlich höherer Basis erklärt, dass man bei Nordostwindkomponente in den Voralpen sehr häufig Leebärte vorfindet, jedoch kann man diese nur erwischen, wenn man über dem Grat auf der Leeseite ist. Dies waren wir nicht mehr und so war es für uns unmöglich an diesen Cumulanten zu kommen.
Stattdessen war wir nun mitten im Lee und verloren unaufhaltbar an Höhe. Erst kurz vor Mittenwald am Ende des Tals, das wir bei den Sojern entlang flogen, fanden wir wieder Hangaufwinde. Wir versuchten hier noch zu achtern und wieder Höhe zu tanken, doch mehr als Höhe halten, saß hier nicht drin. Also warfen wir den Turbo raus, um nicht zu viel zu riskieren und sicher weiterkommen zu können. Bis zu den Sojern war dies von uns ein Lehrbuch Westabflug, jedoch zeigte uns der Fehler mit der Grathöhe genauso schnell, dass wir immer noch Anfänger sind.
Westlich von Mittenwald fanden wir wieder Anschluss durch die ASH25 der Akaflieg, die uns einen guten Bart markierte. Wir flogen darauf zum östlichen Ende der Nordflanke des Wettersteingebirges. Auch hier fanden wir wieder einen guten Bart. Hier trafen wir die nächste naive Entscheidung, die aber keineswegs falsch war, sondern vielmer Glück als Verstand. Wir flogen zu einem Cumulanten am Beginn des Hufeisens vom Wettersteingebirges. Hier kurbelten wir ein wenig und schon ein wenig zentrierend stellten wir fest, dass im Inneren dieses Hufeisens Hangaufwinde anzutreffen waren. Hier stiegen wir hangachternd in wenigen Minuten um weitere 400m auf 2500m.
Normalerweise, so habe ich es mir später sagen lassen, fliegt man dort nicht rein, da man bei möglicher Leewirkung dort schnell wieder raus muss und es danach sehr schwer hat, wieder Anschluss zu bekommen, bzw. ein gutes Außenlandfeld noch zu erreichen. Wir hatten Glück und eine neue Erfahrung gewonnen, da es für uns beide das erste Mal war, so hangachternd an Höhe zu gewinnen.
Danach flogen wir wieder aus dem Hufeisen raus, auf dem gleichen Weg, auf dem wir hinein geflogen waren. Weiter Richtung Inntal sah das Wetter nicht so gut aus, wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte. Die Basis stieg auch soweit wir sehen konnten nicht weiter an. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon eine wirklich schlechte Entscheidung getroffen, aber auch schon eine Menge gelernt. Ebenfalls waren wir 500m über Gleitpfad nach Königsdorf, also entschieden wir uns dazu, den Flug hier abzubrechen und zurück zu gleiten.
Der sichere Weg nach Hause ist immer eine gute Entscheidung, auch wenn es weiter Richtung Engadin, wie wir später erfuhren, besser geworden wäre. Jedoch war dies auf keinen Fall ein leichter Tag für einen Westabflug, wie man auch aus dem Bericht von Matthias zur Bundesliga entnehmen kann.
Wenig später in Königsdorf gelandet, machte Lars noch einige Starts mit den Korbinian, unserem jüngsten und neustem Scheininhaber. Ich hingegen opferte den Rest Tages, um mit meiner Windenfahrerausbildung weiter vorwärts zu kommen.
Ich freue mich jetzt schon auf die vorlesungsfreie Zeit! Dann wird noch viel mehr geflogen!







































